Christian Stockers folgenschwerer Satz

Politik

Eigentlich hatte Christian Stocker allen Grund, am Donnerstag relativ entspannt nach Salzburg zu reisen. War doch seine Sommertour „Österreich im Gespräch“ – eine Diskussionsrunde mit Bürgern in jedem Bundesland – bis dato weitgehend reibungslos verlaufen. Statt wüster Attacken von Wutbürgern oder peinlicher Lobhudeleien von Parteigängern erlebten die Besucher der Veranstaltungen einen durchwegs sachlichen Austausch über die Regierungsarbeit.

Was sollte also bei der mittlerweile bereits sechsten Ausgabe groß schiefgehen? Gehörig viel, wie man mittlerweile weiß. In einer Debatte mit einer Zuhörerin zum Thema Kinderbetreuung verstieg sich der Kanzler in Salzburg in Formulierungen, die ihm tags darauf eine Welle der Empörung quer durch alle politischen Lager einbringen sollten. Viele fühlen sich gar an den berüchtigten auf Video festgehaltenen Burger-Sager seines Vorgängers Karl Nehammer erinnert.

Was genau war geschehen? Eine Frau im Publikum hielt Stocker vor, welch enormes Ausmaß an unbezahlter Arbeit Mütter für die Kinderbetreuung zu leisten hätten. Die Antwort des Kanzlers: „Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit.“ Und weiter: „Ich habe meine Kinder nicht als Rechenbeispiel erzogen“.

Entschuldigung

Dass solche Aussagen im Allgemeinen und insbesondere wenige Tage vor dem Equal Pension Day, an dem alljährlich die nicht zuletzt der Kinderbetreuung geschuldeten Pensionsungleichheit zwischen Frauen und Männern thematisiert wird, nicht allzu geschickt sind, dürfte Stocker und seinem Team rasch gedämmert sein: Am Freitag entschuldigte er sich öffentlich. „Ein Satz von mir sorgt gerade für Diskussionen. Zu Recht, denn er ist falsch. Kinderbetreuung ist Arbeit.“ Gerade Frauen, die diese immer zum Großteil übernehmen, „leisten damit Großartiges“.

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Stocker versuchte gleichzeitig, seinen Standpunkt zu erklären: „Familie ist aber kein Unternehmen und kein Job, wo man nach getaner Arbeit das Büro verlässt. Der Lohn ist nicht in Geld zu messen, sondern in Vertrauen, Zusammenhalt und in unzähligen gemeinsamen Momenten.“ Und weiter: „Mütter, Väter, Großeltern – sie alle leisten bei der Betreuung und Erziehung unserer Kinder einen unermesslichen Beitrag für unsere Gesellschaft und die Zukunft unseres Landes. Dafür verdienen sie unseren Dank, unsere Hochachtung und unsere Unterstützung.“

Der Schaden war zu diesem Zeitpunkt jedoch schon angerichtet. Stocker, der mit seiner Tour durch Österreich eigentlich Bürgernähe signalisieren wollte, muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, „empathielos“ und „realitätsfremd“ zu sein.

„Verhöhnung“

Diese und zahllose andere Zuschreibungen hagelten am Freitag auf den Kanzler ein. Vor allem die FPÖ schoss aus allen Rohren auf Stocker, für Parteichef Herbert Kickl sei sein Statement eine „Verhöhnung der Mütter“. 

Kritik, wenn auch naturgemäß deutlich verhaltener, kam aber auch von den Koalitionspartnern SPÖ und Neos, während Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zur Verteidigung ihres Parteichefs ausrückte. Nicht äußern auf KURIER-Anfrage wollte sich hingegen die inhaltlich zuständige Familienministerin Claudia Bauer (ebenfalls ÖVP).

Was bleibt, ist eine weitere Schramme für den Kanzler, der zuletzt ohnehin mehrfach unter Druck geraten war. So hat er eben erst die für die ÖVP unangenehme Causa um den mittlerweile zurückgetretenen Wiener Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck ausgestanden.

Die sommerbedingte Flaute an innenpolitischen Themen könnte dazu führen, dass sein Fehltritt Stocker noch länger verfolgt. Gut möglich, dass er bei seinen nächsten Tour-Auftritten in Villach, Eisenstadt und Linz darauf angesprochen wird. Ob man für das nächste Jahr eine Neuauflage einplanen soll, werden sich Stockers Strategen jetzt …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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