Ursula Poznanskis „Canvas“: Welche Welt darf es denn sein?

Kultur

Die Welt ist immer noch die gleiche in „Canvas“, der Fortsetzung von Ursula Poznanskis Near-Future-Thriller „Cryptos“ mit ihrer Heldin Jana, der jungen Virtual-Reality-Designerin, die wieder auf riskanten Einsätzen in diversen Welten unterwegs ist. Man muss „Cryptos“ nicht lesen, um „Canvas“ zu verstehen. Der Klimawandel hat noch immer voll zugeschlagen. Das Leben ist sehr unangenehm, weil es überall viel zu heiß ist und Wetterextreme drohen.

Leben in Kapseln

So fristen die Menschen ihr Leben in Kapseln, die in Wohndepots in kargen Zellen stehen. Über spezielle Anzüge und Masken, die Körperempfindungen simulieren, den Körper automatisch versorgen und dessen Abfallprodukte abführen, sind die Menschen mit zahlreichen virtuellen Welten verbunden, in denen sie aufwachsen, lernen, lieben, abschalten. Doch keine virtuelle Welt ohne Wettbewerb: Man kann an Spielen, Rätseln oder an Schnitzeljagden teilnehmen, um Geld (jede Welt hat ihre eigene Währung) für Aussehensveränderungen oder Zugangspässe für andere, bessere Welten zu erwerben. Einmal am Tag, meist nachdem man in der jeweiligen Welt eingeschlafen ist, legt man einen „Realitätsstop“ ein. Man wacht dann in der Wirklichkeit auf, vertritt sich die Beine, schaudert vermutlich ob deren Trostlosigkeit und begibt sich schleunigst wieder zurück.

All das hat einen sehr großen Vorteil: Ein Mensch, der sich in einer derartigen Lebenssituation befindet, verbraucht natürlich wenig Energie, Wasser und Nahrung. Was so eingespart wird, wiegt wohl den Energieverbrauch durch all die benötigte Technik wieder auf. Überlebenswichtige Ressourcen sind in Poznanskis Zukunft knapp.

Tödliches Leben

Zwar ist auf Entwicklungs- und Versorgungsebene das meiste automatisiert – doch die Folgen der Erdüberhitzung, Extremwetterlagen und deren Auswirkung auf Landwirtschaft und Verkehr, machen ein Leben „draußen“ unerquicklich bis tödlich. Anstatt Regierungen herrschen Konzerne, die die Menschen mit dem Nötigsten versorgen. Wer brav drinnen bleibt, bekommt in der Realität „Klimapunkte“, die es ihm erlauben, Dinge zu erwerben, die plötzlich als Luxus betrachtet werden – Eiswürfel zum Beispiel, oder einen Pass für eine neue Welt.

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Jana entwickelt im Auftrag von Mastermind, einem dieser Tech-Konzerne, verschiedene VR-Welten, die lebenswerter als die Realität sind. Ihre neueste Kreation heißt „Canvas“ eine Stellenvermittlungswelt. Man kann sich hier für Jobs in anderen Welten bewerben. Arbeiten, die niemand machen will, die aber wichtig sind, damit alles möglichst echt wirkt. Man kann sich beispielsweise als Bettler bewerben oder als Gefangener, der am Hauptplatz am Galgen stehen muss. Dafür bekommt man Gutpunkte, die man wieder für diverse Weltenpässe nutzen kann.

Weihnachten ist kaputt

Die VR-Welten sind vielfältig, es gibt natürlich eine Beach- Welt oder eine Detektiv-Welt, wo man Fälle lösen muss, um Punkte zu bekommen. Ganz speziell ist aber „Jingle Bells“ eine Weihnachtswelt, die Jana reparieren muss, da dort in Dauerschleife das Lied „Last Christmas“ von Wham läuft. Die Bewohner sind schon halb wahnsinnig.

„Canvas“ ist ein Klimathriller, dessen Fiktion gar nicht so weit von der sich gerade entwickelnden Realität entfernt ist. Das macht ihn spannend, aber auch beunruhigend. Als Serie für einen Streaming-Dienst eignet er sich hervorragend.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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