
Dass in einem skandinavischen Krimi ein Kommissar ein posttraumatisches Päckchen mit sich zu tragen hat, das ist man aus dem Genre gewöhnt. Man würde ihn nicht ernst nehmen, wäre es nicht so. Aber in diesem schwedischen Bestseller hat Autor Carl-Johan Vallgren das Leid mit vollen Händen an das Personal ausgeteilt. Chefermittler Björling hat seine Frau verloren, sie starb an Krebs. Das ist kein Geheimnis. Die Narben, die Kollegin Johanna aus ihrer Vergangenheit mitbringt, werden hingegen erst im Verlauf der Erzählung aufgedeckt. Aber auch jeder Verdächtige und jedes Opfer, selbst Nebenfiguren haben hier eine auffallend tragische Vorgeschichte.
Verschiedene Perspektiven
Björling trifft es gleich doppelt. Denn kurz nachdem eine tote junge Frau mit kahl rasiertem Kopf und überkreuzten Armen gefunden wird, ereilt ihn der nächste Schicksalsschlag. Seine Tochter Malin, die er bei einer Freundin wähnte, war eigentlich mit ihrem Freund zelten. Und von diesem Ausflug kamen beide nicht zurück. Eine Verbindung zur ermordeten Frau drängt sich schnell auf.
Der Krimi entfaltet sich in verschiedenen Perspektiven, man erlebt den Fortgang der Ermittlungen abwechselnd aus der Sicht von Björling, Johanna, der entführten Malin oder dem Bruder von deren Freund.
Halluzinationen
Die psychische Verfassung von Björling wird schließlich immer mehr zur Behinderung für einen positiven Ausgang: Er hat Halluzinationen von seiner verstorbenen Frau, er glaubt auch, dass sie mit ihm redet und ihn berät.
Vallgren erfindet das Genre nicht neu, der Thriller ist aber spannend, hat Gruselelemente (Triggerwarnung Tierquälerei) und verfügt über ein schillerndes Personen-Tableau.
Source:: Kurier.at – Kultur



