
Die Trockenheit im heurigen Sommer führte zu verdorrten Almen und einer Knappheit beim Futtermittel für Rinder. Viele Landwirte mussten bereits die eingelagerten Rationen für den Winter verfüttern. Oft ist das frühzeitige Schlachten der Tiere angesichts des teuren Futters die einzige Option.
Aktuell gebe es vor allem in Ober- und Niederösterreich einen „massiven Anstieg bei den Schlachtkühen“, erzählt Werner Habermann, Geschäftsführer der ARGE Rind, dem KURIER. Gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr meldeten die Bauern die drei- bis vierfache Menge an Kühen an. „Das Futter wird knapp und heuer wächst auch nichts mehr. Die Bauern haben also begonnen, ihre Bestände abzustocken.“ Die Schlachthöfe würden in dieser Situation an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen.
Erzeugerpreis ist gesunken, im Supermarkt ändern sich die Preise vorerst nicht
Auch wenn medial oft von Notschlachtungen die Rede ist, handle es sich um „saisonal vorgezogene Schlachtungen“, erklärt Roland Ackermann, Vorsitzender der Berufsgruppe Vieh- und Fleischgroßhandel in der Wirtschaftskammer. „Derzeit ist ein erhöhtes Angebot an Schlachtkühen zu beobachten, was zu sinkenden Preisen beiträgt“, sagt er. Zuletzt fiel der Kilopreis für das Fleisch von Schlachtkühen – um rund ein Drittel im Vergleich zu vor fünf Wochen. Bis Ende August wurde nun ein Mindestpreis für die Bauern vereinbart. „Damit keine Panik entsteht und noch mehr Kühe auf den Markt kommen“, erklärt Habermann.
Dass der Preis für Kuhfleisch sinkt, werden Konsumenten im Supermarkt nur bedingt bemerken. Lidl teilt auf Nachfrage mit, man könne derzeit noch nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang es zu Preisveränderungen kommen wird. Grundsätzlich setze man auf langfristige Verträge. So auch bei Rewe (Billa), wo man auch in „herausfordernden Zeiten zu vereinbarten Preisen steht“, wie der Konzern mitteilt. Bei Hofer will man die Preisgestaltung evaluieren, wenn sich „Großhandelspreise beim Rindfleisch zukünftig relevant verändern“, heißt es. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann schließt aus, dass die aktuelle Lage Einfluss auf Verfügbarkeiten und Preise hat. Die Kühe, die aktuell verfrüht geschlachtet werden, würden nicht bei Spar als Frischfleisch verkauft werden.
Wiesbauer-Chef geht von „kurzfristigem Preisverfall“ aus
Denn während im Einzelhandel fast ausschließlich das Frischfleisch von Jungstieren angeboten wird, landet das Kuhfleisch etwa bei Fastfood-Ketten wie McDonalds oder in der Lebensmittelindustrie. So etwa beim Wurstproduzenten Wiesbauer. Dessen Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer geht nur von einem „ganz kurzfristigen Preisverfall“ aus, wie er dem KURIER sagt. „Wenn dieses Fleisch vom Markt ist, dann wird der Preis exorbitant nach oben steigen.“
Vor diesem Hintergrund versucht man bei Wiesbauer, sich jetzt mit großen Fleischmengen einzudecken. Einzig die Lagerung wird zum Problem. „Wir verarbeiten jeden Tag bis zu 120 Tonnen Wurstwaren. Wir müssten Tausende Tonnen einlagern. Diese Kapazität bekommen wir so kurzfristig nicht.“ Habermann geht davon aus, dass die Preise im September erst noch weiter sinken und prognostiziert ab 2027 steigende Erzeugerpreise. „Einfach weil es wenig Ware geben wird. Nicht nur in Österreich auch etwa in Frankreich, Bayern oder der Schweiz.“
Langfristig wird auch das Frischfleisch im Supermarkt teurer
Auch langfristig müsse man sich auf höhere Preise einstellen – und das werde auch das Frischfleisch in den Supermärkten betreffen. „Es werden jetzt weniger Kälber zur Mast eingestellt, das betrifft auch die Jungstiere. Spätestens nächstes Jahr im November werden diese Rinder dann …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



