
Zwei Wochen sind vergangen, seit eine Gruppe Stammspielerinnen des Eishockey-Nationalteams ihre Forderungen nach Gleichbehandlung öffentlich gemacht und in Folge ein Teamcamp in der Slowakei boykottiert hat. Die Spielerinnen, die von der Younion-Gewerkschaft vertreten werden, haben damit eine große Reichweite erzielt, verbindliche Zusagen vom Eishockeyverband ÖEHV fehlen aber. Für Montag ist ein Mail des Verbands an die Spielerinnen angekündigt.
Torfrau Selma Luggin und Gewerkschaftsvertreter Sascha Tomanek im Gespräch.
KURIER: Gab es Momente, in denen Sie bereut haben, an die Öffentlichkeit gegangen zu sein?
Selma Luggin: Auf keinen Fall, denn es war alles die Wahrheit. Wir waren froh, die ganzen Missstände der letzten Jahre aufdecken zu können. Ich bin froh, dass wir diesen Schritt gegangen sind.
Wie schaut es mit Reaktionen – auch von männlichen Spielern – aus?
Luggin: Wir haben Zuspruch unter anderem von Marco Rossi und Clemens Unterweger bekommen. Dafür sind wir sehr dankbar. Sie können auch von ihren eigenen Erfahrungen im Nationalteam berichten, wo auch nicht immer alles glatt läuft. Sie hätten auch nicht anders agiert, wenn es bei ihnen so schlimm gewesen wäre.
Und welche Reaktion kam vom Verband?
Luggin: Ein paar Spielerinnen, die beim Lehrgang dabei waren, haben Gespräche mit Verbandsvertretern geführt. Aber viele haben gefehlt, außerdem haben wir eine Gewerkschaft als Vertretung. Wir haben kürzlich ein Mail bekommen, in dem Eckpunkte aufgelistet wurden – neue Trainer usw. Aber konkrete Zusicherungen, wie das Taggeld, gibt es bislang nicht.
Die Gesprächsbereitschaft scheint aber da zu sein. Wieso reicht Ihnen das nicht?
Tomanek: Gesprächsbereitschaft setze ich grundsätzlich voraus. Sie ist ja von unserer Seite auch da. Gesprächsbereitschaft hat nur leider fünf Monate nichts gebracht. Wenn gesprochen wird, wird nicht verhandelt, sondern wird einseitig was festgesetzt.
Zuletzt kam ein Mail mit Annäherungen vom Verband an die Spielerinnen …
Tomanek: Ich habe es gelesen. Da stand wieder nichts drinnen. Nur dass es jetzt den einen oder anderen Trainer gibt, dass ein Arzt jetzt für zwei bis drei Tage beim nächsten Camp kommen soll bzw. zur WM. Beim aktuellen war wieder kein Arzt dabei. Aber die Spielerinnen sind ja keine Bittsteller! Ich möchte lesen, dass bei allen künftigen Lehrgängen und WM-Veranstaltungen etc. immer ein Teamarzt dabei ist.
Luggin: Wir wollen keine kleinen Zuckerln, sondern Konkretes: Was sind die Schritte für die nächsten Jahre, um uns an die Männer heranzubringen?
Kann es sein, dass sich der Verband die Vorschläge nicht leisten kann, oder dass die Expertise fehlt?
Tomanek: Dass man es sich nicht leisten kann, kann gut sein. Man hätte ja die verpasste Förderung nehmen können. Es gibt jemanden, der Geld damit verdient, dass es in Österreich Frauen- und Para-Eishockey gibt. Und zur Klarstellung: Wir reden auch nicht von Unsummen. Es verdienen auch die Herren keine Unsummen.
Von welchen Beträgen sprechen wir, wenn es um das Taggeld geht?
Tomanek: So transparent ist es nicht, aber da geht es um 70 bis 90 Euro bei einem Teamcamp und etwa 150 Euro für eine WM. Sie werden angemeldet als Arbeiter – worüber man auch streiten könnte. In der Topdivision der Frauen sind zehn Länder. Neun davon zahlen Taggelder. Eines nicht. Lassen wir das doch Menschen machen, die das können!
Martin Kogler ist …read more
Source:: Kurier.at – Sport



