Sturm in Grafenegg: Wenn die Natur die Regie übernimmt

Kultur

Von Susanne Zobl

Beim Finale des zweiten Aufzugs von Richard Wagners „Parsifal“ war beim Wolkenturm in Grafenegg Schluss. Das Festivalgelände musste wegen eines Sturms geräumt werden, das Bayreuther Festspielorchester beendete sein Gastspiel mit Dirigent Pablo Heras-Casado im Auditorium.

Wer Wagner schätzt, hätte an diesem Abend an Richard Strauss’ „Frau ohne Schatten“ denken können, wo es heißt: „Übermächte sind im Spiel“. Denn Heras-Casado zeigte eine eigenwillige Kurzfassung aus Wagners Bühnenweihspiel, die auf längere Monologe fokussiert. Für Wagner-Puristen ist das nicht leicht zu ertragen, schon gar nicht, wenn in den zerstückelten „Parsifal“ auch noch hineinapplaudiert wird wie bei einem Arien-Schmetter-Konzert.

Im Auditorium gab es dann einen Einblick in den dritten Aufzug, zunächst mit dem „Karfreitagszauber“, den Heras-Casado mit Transparenz langsam zelebrierte. Andreas Schager setzte sich als Parsifal vokal stark in Szene. Georg Zeppenfeld intonierte den Gurnemanz feinst nuanciert. Jordan Shanahan punktete mit Wortdeutlichkeit und wurde wie alle bejubelt.

Auch am Folgeabend beim Gastspiel des Royal Concertgebouw Orchestra mit Santtu-Matias Rouvali am Pult spielte die Natur mit. Diesmal trat sie als Beethoven-Fan mit idealen meteorologischen Bedingungen Bedingungen – Windstille und Temperaturen um die 20 Grad – auf. Diese animierten auch einige gefiederte Sänger, sich ins Konzertgeschehen einzumischen. Dabei hatte man den Eindruck, diese Vögel wollten den Pianisten Víkingur Ólafsson mit ihrem Gezwitscher beim 5. Klavierkonzert in Es-Dur, op. 73, unterstützen. Ungewohnt angespannt, verlegte er seinen Schwerpunkt auf Präzision und Technik. Vom imperialen Touch ließ er im ersten Satz des Konzerts, das den Beinamen „Emperor“ trägt, nichts spüren. Solist und Dirigent mussten erst zueinanderfinden. Das geschah beim Adagio, das aber zunächst künstlich wirkte. 

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Zugabe für die Vögel

Im dritten Satz ging Ólafsson aus sich heraus. Sympathisch gestand er seine Nervosität vor Gastgeber Rudolf Buchbinder, der ja bekanntlich eine Instanz bei Beethoven ist, zu spielen. Liebevoll widmete er seine Zugaben den Vögeln und wurde bejubelt.

Bei Prokofjews „Fünfter“ in B-Dur setzte Rouvali auf ein Übermaß an Dramatik. Scharfe Akzente in den schnellen Sätzen sparte er aus, wodurch das Beklemmende dieser Symphonie in noch deutlicher hervorstach. Die Akklamationen des Publikums erwiderte Rouvali mit „Valse triste“ von Sibelius.

KURIER-Wertung: **** von *****

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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