Dieses selbstbewusste, reiche Land will sich von der EU nichts sagen lassen

Politik

Die Pflichten seines Amtes, die sind für ihn längst Routine und auch mit der Brutalität der internationalen Klatschpresse hat er umgehen gelernt. Wenn der 53-jährige Haakon nun seinem verstorbenen Vater Harald auf den Thron folgt, übernimmt er eine Rolle, die er in den vergangenen Jahren ohnehin oft zu spielen hatte. Über viele Monate hat der Kronprinz seinen kranken Vater bereits vertreten, egal, ob es darum ging, einen neuen Kindergarten zu eröffnen oder Staatsbesuche im Ausland zu absolvieren. Und er hat auch gelernt, Schicksalsschläge durchzustehen. Seine schwerkranke Ehefrau Mette-Marit wurde erst vor wenigen Monaten durch eine Lungentransplantation vor dem Tod gerettet. Ihre Verwicklungen in die Affäre rund um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein brachten Norwegens Königshaus ins mediale Kreuzfeuer.

Das Vertrauen seiner Landsleute, das dem Königshaus auch durch diesen Skandal abhandenkam, muss sich Haakon jetzt von Neuem verdienen. Keine leichte Aufgabe, wie jüngste Umfragen zeigen. Nur noch 60 Prozent der Norweger gestehen der Monarchie eine positive Rolle für die Gesellschaft zu.

Das trägt zu der nervösen, gereizten Stimmung bei, die, ähnlich wie in vielen europäischen Ländern, das Land erfasst hat – und das trotz vergleichsweise blendender wirtschaftlicher Aussichten und mehr als gut gefüllter Staatskassen. Die Parlamentswahlen im Vorjahr waren stark geprägt vom Unmut der Norweger über die hohen Lebenshaltungskosten im Land. Vor allem die Lebensmittelpreise sind stark gestiegen. Das verschaffte den Rechtspopulisten der „Fortschrittspartei“ Rückenwind. Ohnehin seit Jahrzehnten fest in Norwegens Politik verankert, fuhren sie das beste Ergebnis ihrer Geschichte ein und sind seither zweitstärkste Kraft im Parlament.

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Was macht man mit dem vielen Geld?

An der Regierung geblieben sind trotzdem die Sozialdemokraten von Jonas Gahr Støre. Die wurden stärkste Kraft und haben es geschafft, eine Koalition mit linken Parteien zu zimmern. Die streiten allerdings derzeit darüber, was man gegen die gestiegenen Preise tun sollte. Links von der Sozialdemokratie ruft man einerseits nach höheren Steuern für Reiche und andererseits nach Geld aus Norwegens berühmtem Zukunftsfonds.

Der größte Staatsfonds der Welt

In dem stecken derzeit zwei Billionen Euro, es ist der größte Staatsfonds der Welt. Gespeist wird er seit den Neunzigern aus den Einnahmen aus Öl- und Gasgeschäft und da das Geld obendrein gut angelegt ist – etwa in US-Tech-Unternehmen – kommen jährlich mehr als hundert Milliarden an Gewinnen dazu. Vor allem das Geschäft mit dem Gas aus der Nordsee läuft derzeit besser denn je.

Ersatz, nicht für Gas aus Russland

Die Sanktionen gegen Russland haben Europa von einem seiner verlässlichsten und wichtigsten Gaslieferanten abgeschnitten. Es braucht daher Norwegen noch mehr als zuvor. Das Land ist der wichtigste Erdgaslieferant für die EU, rund ein Drittel des Bedarfs strömt durch Pipelines unter der Nordsee nach Deutschland oder in die Niederlande. Auch Norwegens Öl fließt fast ausschließlich in Richtung Europa – und während sich die Lieferengpässe und damit der Preiskampf ums Erdgas weltweit verschärfen, bleibt Brüssel wenig anderes übrig, als auf Norwegen zu hoffen. Von dort soll möglichst bald möglichst viel zusätzliches Gas kommen.

Vorschriften aus Brüssel? Nicht mit uns!

Doch in Oslo macht man sehr deutlich, dass dieses zusätzliche Erdgas an Bedingungen geknüpft ist, die den Verantwortlichen in Brüssel sehr sauer aufstoßen: Die neuen Quellen, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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