Männliche Attribute im Job: Werden sie belohnt?

Wirtschaft

Ben Ellermann ist Rugby-Europameister und studierter Sportwissenschafter mit Schwerpunkt Psychologie. Er beobachtet in Unternehmen und im Spitzensport, dass traditionelle Vorstellungen von männlicher Stärke wieder an Einfluss gewinnen – mit Folgen.

KURIER: Eine Studie aus 29 Ländern hat heuer im Frühjahr erhoben: Junge Männer tendieren eher zu einem alten Rollenverständnis. Welche Attribute gelten heute als besonders männlich?

Ben Ellermann: Es waren immer schon Status, Stärke und Zugehörigkeit, die sich durchgesetzt haben. Die Attribute haben sich also kaum verändert, aber sie werden anders sichtbar. Die jüngere Generation wächst mit sozialen Medien auf und hat dadurch viele verschiedene Rollenbilder, die gewisse Attribute vorleben und sie stärker hervorkommen lassen. Auch im Unternehmens- und im Sportkontext, aus dem ich komme, ist das spürbar.

Rugby wird mit Stärke, Härte, Männlichkeit in Verbindung gebracht. Ist das so?

Es braucht die Härte und die Kraft schon, aber nur im sportlichen Kontext. Rugby ist getrieben von Offenheit und dass es keine Möglichkeit gibt, sich zu verstecken. Mir persönlich war immer ganz wichtig, dazuzugehören und zu wissen, wer ich bin. Das hat im Rugby seinen Platz, weil dieser Sport jeden Menschen aufnimmt, egal, ob groß, klein, dick, dünn. Es ist vollkommen egal, woher du kommst, es ist wichtig, was du auf den Platz bringst.

Welche Dynamik entsteht in der Arbeitswelt, wenn stereotype Rollenbilder wieder stärker vertreten sind?

Eine Dynamik ist, dass es eine Kultur des Schweigens ist. Oftmals ist die größte Herausforderung, etwas konkret anzusprechen. Jemanden zu fragen: „Hey, ich habe gehört, dir geht es vielleicht gerade nicht gut.“ Den Mut zur Offenheit gibt es meist nicht.

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Mit welcher Konsequenz?

Überall, egal, in welchem Beruf, hat man mit Menschen zu tun. Das heißt, man muss immer eine Art von Team bauen. Dafür muss man sich selbst etwas besser kennenlernen, sich mit einer Rolle anfreunden, in der man vielleicht nicht im Mittelpunkt steht, sondern unterstützend ist.

Werden Männer, die „männliche“ Attribute bedienen, im Job eher belohnt?

Wenn man sich an Stereotype lehnt und diese vielleicht Reibung oder Konflikte erzeugen, bietet das einen großen Mehrwert und der lautet Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist etwas, das sich viele Menschen wünschen.

Wie können Teams agieren, damit jeder sich traut, man selbst zu sein?

Das Ziel muss klar sein, wo man gemeinsam hinwill. Und es braucht die Sicherheit, dass man verstanden wird, dass man transparent sein darf. Das Vertrauen ist die oberste Dimension, die man erreichen kann.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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