„Zukunftsdepot“: Zahlt Staat für jedes Baby 500 Euro Prämie?

Politik

Geht es nach ÖVP- und Regierungschef Christian Stocker, soll „Österreich ein Land der Eigentümer“ werden. Beim Vermögensaufbau geholfen werden soll gemäß Stockers im ORF-Sommergespräch präsentierter Idee vor allem jungen Menschen.

Für jedes Kind soll es ein „Zukunftsdepot“ geben, dessen Erträge mit Vollendung des 18. Lebensjahres steuerfrei entnommen werden können. Wie berichtet, soll es eine zu veranlagende Höchstgrenze von 5.000 Euro jährlich geben. Wer so viel Geld für ein Kind erübrigen kann, der kann sich laut Berechnungen des Bundeskanzleramtes bei einer durchschnittlichen Rendite nach 18 Jahren über 175.000 Euro freuen – und spart sich durch den Wegfall der Kapitalertragssteuer (27,5 Prozent KESt) bei der Entnahme rund 23.700 Euro.

Doch wer kann 18 Jahre lang so viel Geld ansparen? Darf in Aktien und Anleihen investiert werden? Und was ist dran an dem Gerücht, der Staat würde gar jedem etwas dazuzahlen? Der KURIER hat im Kanzleramt nachgefragt.

Alter der Kinder 

Das „Zukunftsdepot“ soll ab 2027 allen Kindern unter 18 Jahren zur Verfügung stehen. Das heißt, ein solches Depot kann zur Geburt abgeschlossen werden, ebenso wie für Kleinkinder oder Teenager. Wichtig ist gemäß jetziger Idee nur das Alter von unter 18 Jahren.

Art der Veranlagung 

Laut Kanzleramt sieht der Plan keine spezielle Veranlagungsart (Aktien, Anleihen, Bundesschatz …) vor. „An sich ist – abgesehen von hochspekulativen Produkten wie Derivaten – keine spezifische Einschränkung der Veranlagungsart vorgesehen.“

Verkauf von Aktien 

Wird vor dem 18. Lebensjahr in Aktien investiert und werden selbige beispielsweise wegen Kursverfalls verkauft, muss weiter KESt gezahlt werden. Denn es bestehe nur Einigung darüber, „dass für den gesamten Depotwert zum 18. Geburtstag keine KESt fällig wird“.

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Höhe der Rendite 

Nach dem ORF-„Sommergespräch“ wurde von Politologe Peter Filzmaier in der „ZiB 2“ die Höhe der angenommenen Rendite bezweifelt. Aus dem Kanzleramt heißt es dazu: „Je nach Betrachtungszeitraum und Wertpapier (Index, Aktien etc.) kann die Rendite naturgemäß variieren. Gängige, breitgestreute und weltweite ETFs (Indexfonds) weisen längerfristige Renditen von sechs bis zehn Prozent auf. Die durchschnittliche Rendite des ATX TR pro Jahr liegt bei acht Prozent.“

Zum Vergleich: Sparzinsen liegen je nach Veranlagung derzeit zwischen 1,8 und 2,85 Prozent pro Jahr.

500 Euro vom Staat 

Wie der Standard zuerst berichtete, wird innerhalb der Koalition trotz Budgetknappheit darüber nachgedacht, jedem Kind 500 Euro zum „Zukunftsdepot“ dazuzuzahlen. Die genaue Ausgestaltung sei wie alles derzeit „in Verhandlung“. Das Kanzleramt schickt voraus: „Eine mögliche Einmalzahlung des Staates im Sinne eines ’Startbonus’, welcher dem Depot direkt gutgeschrieben wird – bis zu 500 Euro – würde naturgemäß zusätzliche Ausgaben verursachen, die entsprechend gegenzufinanzieren wären.“ 

Es könne jedoch bestätigt werden, dass „im Doppelbudget 2027/28 für die Maßnahme jeweils 40 Millionen Euro aus dem Familienressort budgetiert sind.“ Das bringt andere auf die Barrikaden.

Kritik von Grünen und FPÖ 

Die kleinste Parlamentspartei, die Grünen, unterstellt: „Stocker bewirbt ein Zukunftsdepot für Kinder – und will dafür offenbar die Familienkasse anzapfen. Jährlich 40 Millionen Euro sollen laut unseren Recherchen aus dem Familienlastenausgleichsfonds kommen“, so die grüne Finanzsprecherin Nina Tomaselli. Stocker beweise einmal mehr, „dass er vor allem Politik für seine Freunde aus dem Golfklub macht“.

Ähnlich harsch in der Kritik ist Arnold Schiefer, Budgetsprecher der größten Parlamentspartei, den Freiheitlichen. Die FPÖ sei grundsätzlich dafür, …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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