„Tennis-Disneyland“ und Influencer: US Open zwischen Show & Sport

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7:6, 2:1, 40:40, Naomi Osaka bereit zum Aufschlag, auf einmal wird es laut. Influencer in einer VIP-Loge rufen lautstark in eine Kamera, posieren für Videos und leuchten den Bereich mit einem hellen Selfie-Licht aus. Osaka wird beim Aufschlag gestört. „Leute, bitte, in der Loge hinter mir, setzt euch hin“, mahnt Schiedsrichterin Paula Vieira Souza. Die Szene verbreitet sich anschließend rasant auf Social Media und steht für eine Entwicklung, die bei den US Open derzeit für Diskussionen sorgt. Während die Veranstalter auf neue Zielgruppen setzen, fordern Spielerinnen mehr Rücksicht auf den Sport. 

„Irgendwie respektlos“

Von einem Einzelfall ist dabei nicht die Rede. Auch die amerikanische Weltranglistendritte Jessica Pegula zeigt sich verärgert: „Es ist echt hart, solche Videos zu sehen, wenn die Leute Fotos machen und Selfie-Lichter benutzen“. Die Vorkommnisse in den Logen wirkten auf sie „irgendwie respektlos“. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sieht Pegula die Entwicklung zunehmend kritisch: „Ich finde, es ist dieses Jahr etwas übertrieben geworden“. 

Die Organisatoren wollen die Entwicklung dennoch vorantreiben. Nachdem im Vorjahr erstmals Akkreditierungen an Content Creator (Influencer) vergeben wurden, hat sich deren Zahl bei dieser US-Open-Auflage auf rund 100 verdoppelt. Ein Sprecher der US Open begründet die Strategie folgendermaßen: „Wir müssen Wege finden, um ein neues Publikum zu erreichen“. 

Neben den kritischen Stimmen gibt es jedoch auch Zustimmung aus Spielerkreisen. Die Deutsche Eva Lys sieht in Influencern eine wichtige Möglichkeit, mehr Menschen für Tennis und insbesondere das Frauentennis zu begeistern. Als Beispiele nennt sie Paige Paul (Ehefrau von US-Profi Tommy Paul) und Morgan Riddle (Ex-Freundin von Taylor Fritz), die mit ihren Inhalten ein Millionenpublikum erreichen. „Ich bin ein großer Fan von jeglichen Arten an Marketing, die mehr Fans im Frauentennis beisteuern“, sagt Lys. Mit ihren inzwischen fast 400.000 Followern auf Instagram kennt Lys die Wirkung sozialer Medien aus eigener Erfahrung: „Ich kenne ganz viele Leute, die nicht auf mich gestoßen sind, weil sie solche Tennisfans sind, sondern weil sie cool finden, was für Videos ich poste“.  

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Die US Open bauen ihre Unterhaltung rund um das Turnier ohnehin aus. Chef des verantwortlichen US-Verbands Craig Tiley will das Grand-Slam-Turnier zum „Tennis-Disneyland“ machen: „Wir werden zahlreiche Möglichkeiten für Spieler, Kinder und Erwachsene bieten, herzukommen und verschiedenste Erfahrungen zu sammeln“, so Tiley. 

Der frühere Champion Daniil Medwedew sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Es ist immer noch ein Sport, in dem wir auf eine Art um unser Leben kämpfen“, sagt er. Gleichzeitig sieht er auch die positiven Seiten: „Es lässt den Sport wachsen, also denke ich, dass es gut ist“. 

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Source:: Kurier.at – Sport

      

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