
Nur ein paar kleine Brandsätze, die in der Nacht auf Donnerstag auf eine Baustelle nahe München geworfen wurden, ohne keinen wirklichen Schaden anrichteten. Und doch reihen sie die deutschen Behörden in jene Sabotage-Akte ein, bei denen Russland die Fäden zieht. Denn Ziel des kleinen Anschlags war ein Unternehmen aus dem Rüstungsbereich, die Brandsatzwerfer waren zwei Bulgaren: Zwei unter der mittlerweile gängigen Bezeichnung „Wegwerfagenten“ verhaftete Verdächtige, die für kleinere Verbrechen und gute Bezahlung angeheuert werden, ohne zu wissen, in wessen Auftrag sie dies tun.
Diese hybriden Attacken werden mehr – und immer dreister. Die zuletzt Erschreckendsten: Drei mit Sprengsätzen bestückte Drohnen, die auf dem Militärflughafen in Leipzig entdeckt wurden. Russland sei der Urheber, sagt die deutsche Regierung seit Dienstag glasklar.
Und Dänemark schließt sich dem an: So warnt der dänische Inlandsnachrichten- und Sicherheitsdienst PET vor konkreten russischen Sabotageakten in dem skandinavischen Land. Moskau bereite „aktiv Sabotageakte vor, die auf die Verteidigungsindustrie in Dänemark abzielen“, heißt es.
Ziel der Sabotagepläne seien Rüstungsunternehmen, die Waffen für die Ukraine herstellen. Der dänische Nachrichtendienst geht davon aus, dass Russland unter anderem Brandstiftungen plant. So solle Angst verbreitet als auch Lieferungen in die Ukraine gestoppt werden.
Rund 20 Sabotageakte im August
Insgesamt 20 kleinere und weniger kleine Sabotageakte allein im August schreiben europäische Beamte direkt Russland zu. Dies zählt zu den höchsten monatlichen Zahlen seit Russlands Überfall auf die Ukraine seit mittlerweile viereinhalb Jahren.
Wie soll Europa darauf reagieren?
„Gemeinsam“, fordert Außenministerin Beate Meinl-Reisinger: Es bedürfe einer geschlossenen, robusten Antwort aller EU-Staaten zusammen.
Denn Russlands Präsident Putin nimmt die Strafaktionen einzelner Staaten – Deutschland etwa schließt das Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin – nur Schulterzuckend zur Kenntnis. Moskau antwortet spiegelbildlich – und lässt nun alle Goethe-Institute in Russland schließen.
Doch den hybriden Angriffen aus Russland dürfte damit kaum Einhalt geboten werden.
„Russland ist zunehmend rücksichtslos geworden“, sagte auch NATO-Generalsekretär Mark Rutte am Mittwoch. Er warf Russland „eine Zunahme bösartiger Aktivitäten vor, die sich direkt gegen unser Territorium richten“.
Die NATO wäre der Ort, an dem Europäer auf eine koordinierte militärische Reaktion auf Russlands Provokationen drängen könnten, zu denen auch Cyberangriffe zählen. Bisher zeigen die europäischen NATO-Mitglieder jedoch keine Neigung, die auf dem Prinzip der kollektiven Verteidigung basierende NATO für Reaktionen einzusetzen. Jede weitere Eskalation gegenüber Russland soll vermieden werden.
Stattdessen will die EU Putin vor allem kontern, indem sie die Unterstützung für Kiew stärkt. „Für jeden hybriden Angriff sollte Deutschland seine Hilfe für die Ukraine verstärken“, fordert Nico Lange, Senior Fellow der Münchner Sicherheitskonferenz im Gespräch mit dem Wall Street Journal. Er forderte, Russlands gesamte „Schattenflotte“ illegaler Treibstofftanker zu blockieren und russischen Diplomaten die freie Bewegung in EU-Ländern zu untersagen. „Putin muss dort unter Druck gesetzt werden, wo es weh tut.“
Source:: Kurier.at – Politik



