Spionage-Krimi in Wien: Bekannter ukrainischer Journalist festgenommen

Politik

Vier Personen aus der Ukraine waren es, die der österreichische Nachrichtendienst DSN am 2. und 8. Oktober in Wien festsetzen ließ – sie sollen in Österreich spioniert haben, lautete der Vorwurf. Dass einer davon ein Mann war, den in der Ukraine jeder Zeitungsleser kennt, wirft Fragen auf: Mychajlo Tkatsch, Investigativreporter der Ukraijnska Prawda, dem landesweit wohl einflussreichsten Blatt. Er wurde zwölf Stunden von den österreichischen Behörden festgehalten.

Vorgeworfen wurden dem mit Preisen ausgezeichneten Journalisten, der auch in Wien schon mehrfach über Korruption und geflüchtete ukrainische Eliten berichtet hat, Spionage. Auch sein Kameramann Jaroslaw Bondarenko wurde verdächtigt, Informationen für Spionagezwecke zu sammeln.

Mittlerweile ist Tkatsch jedoch wieder auf freiem Fuß: Der Tatverdacht gegen ihn habe sich „nicht erhärtet“, hieß es von Innenministerium und Staatsanwaltschaft zum KURIER. Bei seinem Kameramann verhalte es sich ebenso, allerdings sei er noch nicht freigelassen worden. Er sei während der Festnahme verletzt worden und habe sich zwischenzeitlich sogar im Krankenhaus befunden. 

„Rechtswidrige Verhaftung“

Wer die anderen beiden Verhafteten waren, die noch in den Händen der Behörden sind, darüber gab das Innenministerium keine Auskunft, ebenso wenig über den konkreten Spionagevorwurf gegen die vier Personen.

Für die Chefredaktion der Prawda, für die Tkatsch tätig ist, war dessen Inhaftierung jedenfalls „rechtswidrig“, sie schaltete auch umgehend den ukrainischen Botschafter in Wien ein. „Wir erwarten von den zuständigen österreichischen Behörden eine zeitnahe offizielle Stellungnahme zu den Umständen und den rechtlichen Grundlagen seiner Festnahme“, erklärte eine Sprecherin der ukrainischen Botschaft in Wien. Tkatschs Handy und Laptop seien ihm noch nicht ausgehändigt worden.

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Tkatsch war laut der Ukraijnska Prawda in Wien, um zum geflohenen ukrainischen Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko zu recherchieren. Ihm wird Geldwäsche vorgeworfen, vor Kurzem hatte er sich mit seiner Frau in der Wiener Innenstadt eingemietet – ebenso wie einige andere flüchtige Mitglieder der ukrainischen Elite, denen Tkatsch oft unter erheblichem Aufwand hinterherrecherchierte.

Für seine Arbeit, die auch das direkte Umfeld von Ex-Präsident Petro Poroschenko und den amtierenden Staatschef Wolodimir Selenskij betraf, wurde er mehrfach ausgezeichnet – kurz nach Beginn der russischen Invasion bekam er den Verdienstorden III. Klasse für seinen Beitrag zum Journalismus und zur Berichterstattung während des Krieges, vor einigen Monaten erhielt der 37-Jährige den Free Media Award der ZEIT. In der Begründung wurden seine Recherchen über staatliche Aufträge, Rüstungsgeschäfte und ukrainische Eliten im Ausland explizit erwähnt.

Tkatsch war schon einige Male im Ausland festgenommen worden, weil er Prominenten hinterherrecherchiert hatte, ließ die Chefredaktion wissen. Allerdings sei er dann immer „binnen ein, zwei Stunden freigekommen“ – nicht erst nach zwölf.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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