Kosmostheater: Spionage ist Verführung

Kultur

Eine Außenministerin, die vor dem russischen Präsidenten kniet. Ein Geheimdienstmitarbeiter, der für Russland spioniert. Eine Siedlung in der Wiener Donaustadt, die eine Satellitenanlage für russische Nachrichtendienste in Europa beherbergt. Szenen aus Österreich, dem Land, in dem die Spionage immer noch zur Folklore gehört.

Diese Szenen stehen im Mittelpunkt einer klugen Agentensatire, die das Theater Kosmos in Wien Neubau seit Mittwoch auf dem Spielplan hat. „Im Taubenschlag“ heißt das Stück von  Veronika Glatzner und Barbara Juch, in dem drei Agentinnen üben, wie man Wodka vergiftet, Geheimbotschaften vernichtet, über Dächer schleicht und den Österreichern Sand in die Augen streut. Etwa mit einer Galerie, in der man Reich und Schön begrüßt: In der Kunst kann man die Leute besonders gut aushorchen! Spielend kann man in Folge Desinformation verbreiten, wie etwas bei einer Ausstellungseröffnung, bei der eine ehemalige österreichische Politikerin („KK“) eine Rede mit anti-westlicher Propaganda halten soll.

Ana Grigalashvili, Julia Schranz, Halka Jeřábek Třešňáková sind die drei Agentinnen, die hier, man muss es so deutlich sagen, hybride Kriegsführung üben. Dass Text und Inszenierung auch Raum für Humor bieten (Regie: Veronika Glatzer) ist eine schöne Metapher dafür, dass die vergleichsweise ausufernde internationale Spionage in Wien immer noch gerne verharmlost, beinahe romantisiert wird- man denke nur an die Zither-Musik aus dem „Dritten Mann“, die heute noch beim Heurigen gespielt wird. Ja, es ist lustig, wenn sich Halka Jeřábek Třešňáková auf Dächer schwingt, am Trapez abmüht und dazu „Grugru“ gurrt. Hat aber einen ersten Hintergrund: Tauben wurden schon seit dem ersten Weltkrieg zur Spionage eingesetzt. Und wenn Ana Grigalashvili tanzend wohl die meisten hier im Raum bezaubert, ist das ein gelungener Hinweis: Spionage hat auch etwas mit Verführung zu tun. Man fühlt sich ertappt, lässt sich gern einwickeln. 

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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