
Der 19. ORF-Kabarettgipfel (aufgezeichnet im März) stand im Zeichen der „80er-Jahre“ und dem Thema „Beziehungen“. Teil 1, die Zeitreise in ein anderes Jahrzehnt, wird heute um 20.15 Uhr auf ORF 1 gesendet, Teil 2 folgt in einer Woche.
Zunächst entführt Gery Seidl in eine Zeit vor „dieser fürchterlichen Erderwärmung“. Da habe man noch ohne Helm und ohne Gurt transportiert werden dürfen, während der Herr Papa das Auto vollgeraucht habe. Nicht viel bessere Luft wurde eingeatmet, als man mit dem Schlitten hinter dem röchelnden Auspuff eines Opel Rekord nachgezogen wurde.
Trotz bunter Nikki-Pullover und Allibert sei es keine heile Welt gewesen. Man denke an Tschernobyl oder die Auflösung von ABBA. „Aber das Ärgste war wahrscheinlich die Gründung der Grünen“, meint Seidl, der diese Breitseite gegen die Erweiterung des heimischen Parteienspektrums mit keinen weiteren Details begründet.
Für Kinder der Achtziger lustig ist die Parodie auf den damaligen Präsidenten Rudolf Kirchschläger, ein bisschen weniger lustig die Bilanz der Affäre Waldheim: „Ab dem Zeitpunkt war’ ma alle Nazi.“
Seitenhiebe auf die Gegenwart lässt Seidl nicht aus: Die „ZiB“ müsste heutzutage eigentlich „ZiP“ heißen („Zeit in Panik“) und: „Meine Mutter war eine Frau, das war damals nicht unüblich.“
Engelchen, Teufelchen
Wesentlich harmloser gestaltet sich dagegen der Auftritt der Kernölamazonen: Caroline Athanasiadis und Gudrun Nikodem-Eichenhardt kämpfen sich mit Engelchen, Teufelchen und Kreuzweh durch moderne Flirtkatastrophen. Der Auftritt mündet in eine textlich geringfügig veränderte Coverversion von Nenas „Nur geträumt“. Begleitet werden sie von „KGB – Die Kabarettgipfelband“, die im Laufe des Abends weitere 80er-Hits von „Billie Jean“ über „Der Kommissar“ bis „The Final Countdown“ anspielen.
Der gebürtige Schweizer Alain Frei sammelt zunächst Punkte beim österreichischen Publikum, indem er sich der Phrase „Passt scho“ widmet. Dies könne bedeuten, dass eine Show sehr gut gewesen sei, oder sehr schlecht – oder es sei dem anderen „scheißegal“. Was es wirklich bedeute, werde man in Wien nie erfahren, sagt Frei. Danach erzählt er – als Konnex zu den 1980ern – die Geschichte eines One Night Stands, nach dem das Hotelzimmer gebrannt hat.
Malarina nimmt Schönheitswahn und Drogerieregale auseinander. Für sie beginnt der Feminismus beim Kampf gegen „Herdprämien“, aber bei der Ablehnung von Make-up hört sich für sie der Spaß definitiv auf.
Abschließend blickt Andreas Vitásek zwischen der Bar im Café Europa, der EU-Abstimmung („Ich hasse Entscheidungen, ich bin ja schon von der Speisekarte überfordert“) und gestohlenen Jacken melancholisch-humorvoll auf die 1980er zurück, die er als seine „Thomapyrin-Jahre“ bezeichnet.
Source:: Kurier.at – Kultur



