Fehlstart: Wird Gerhard Zeiler (noch) SPÖ-Chef?

Politik

Medienmanager und Multimillionär Gerhard Zeiler hält sich für den „Richtigen“, wie er am Wochenende verkündete: Der 71-Jährige will SPÖ-Vorsitzenden Andreas Babler ablösen. Zum ersten roten „Showdown“ kommt es eventuell heute Abend.

Und zwar auf dem Roten Teppich des Wiener Gartenbaukinos. Zur Filmpremiere „Bruno – Der junge Kreisky“ sind Babler und Zeiler, der die Produktion sponsorte, genauso angekündigt wie Ex-Kanzler Christian Kern. Ausgerechnet Kern war es bekanntlich, der zu Jahresbeginn beinahe vorhatte, gegen Babler beim Parteitag am 7. März anzutreten. Schlussendlich zog sich Kern wieder zurück, da ihm unter anderem Wiens Bürgermeister Michael Ludwig die Unterstützung versagte. Die SPÖ-Delegierten bestätigten Babler mit 81 Prozent als Vorsitzenden.

Zeiler hatte nun zwei Unterredungen mit Ludwig. Fakt ist: Weder der Bürgermeister noch ein anderer SPÖ-Grande hat sich bisher öffentlich für ihn ausgesprochen. Aktuell weiß Zeiler drei – 73- bis 80-jährige – ehemalige Landeshauptleute auf seiner Seite: den Steirer Franz Voves, den Burgenländer Hans Niessl und den Kärntner Peter Ambrozy.

Und sonst? Selbst Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der als Zeiler-Mann gehandelt wird, hält sich bedeckt. Zeiler hatte zwar Termine bei mehreren Landesvorsitzenden, bei denen es allerdings nicht um seine Kandidatur gegangen sein soll.

Fans bleiben anonym

Gibt es im SPÖ-Parlamentsklub oder in der roten Ministerriege Zeiler-Fans? Der KURIER hat sich am Montag im Parlament umgehört. Finanzminister Markus Marterbauer stärkt, wie Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner und Staatssekretärin Michaela Schmidt, Babler den Rücken: „Babler hat mich in die Regierung geholt, gemeinsam machen wir erfolgreiche Wirtschaftspolitik, die ich fortsetzen möchte.“ Zeilers Aussagen in der ZiB 2, er wolle die SPÖ wieder wirtschaftsfreundlicher positionieren, kann Marterbauer nicht nachvollziehen.

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Klubchef Philip Kucher bekennt sich zu Babler. Die Mandatare Kai Jan Krainer und Antonio Della Rossa sind ebenso der Ansicht, man solle mit diesem weitermachen. Selma Yildirim meint, vergleichbare Debatten seit 14 Jahren zu erleben: „Wird ein Vorsitzender gewählt, gibt es sofort Debatten, ob er der Richtige ist.“ Nachsatz: „Zeiler kenne ich nicht.“

Und die mächtige Gewerkschaft? FSG-Bundesvorsitzender Josef Muchitsch reagiert auf die Frage, ob er Zeiler-Fan sei, ausweichend: „Ich bin für die Spritpreisbremse.“ ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian meinte zuletzt, dass Personalfragen erst am Ende eines Prozesses geklärt werden sollten. Wenngleich er – wie schon die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures – betonte, dass die SPÖ angesichts der Umfragewerte von 15 bis 16 Prozent nicht zur Tagesordnung übergehen könne.

Erstes Fazit: Zeiler dürfte viele Sozialdemokraten mit seinem Vorstoß überrumpelt haben. Bemängelt wird, dass kein klarer Plan und auch keine konkreten Inhalte vorlägen. Selbst Unterstützer halten die bisherige Kommunikation des Medienfachmanns für tendenziell „verunglückt“.

Die Auftritte des SPÖ-nahen Medienberaters Peter Pelinka, der Zeilers Antrittsankündigung Freitag Vormittag quasi vorwegnahm, hätten nicht geholfen. Gleichzeitig wirft man der Bundesgeschäftsführung um Klaus Seltenheim „Dirty Campaigning“ gegen Zeiler vor.

Wie zerrüttet die SPÖ ist, zeigt nicht zuletzt, dass sich mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil sogar ein Babler-Kontrahent gegen Zeiler ausspricht. „Dabei bleibe ich auch“, so Doskozil am Montag. Zeilers „wirtschaftsliberaler Ansatz“ erinnere ihn an die SPÖ der 1990er-Jahre.

Zurück in die USA

Wie geht es nun weiter? In weiten Teilen der SPÖ ist eine gewisse Ratlosigkeit spürbar. Fast allen sei klar, dass es nicht mehr weitergehen könne wie bisher, betonten mehrere Parteiinsider. …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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