In der eingeschlossenen Stadt Oleschky essen die Menschen Gras, um zu überleben

Politik

Alya, eine Bewohnerin der ostukrainischen Stadt Oleschky, überlebe nur mehr mit Tee und Honig. Die letzte Lieferung von Nahrungsmitteln habe es vor dem Sommer gegeben, sagte der der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha kürzlich in New York. „Wenn Sie eine Sache von dem Treffen hier mitnehmen, dann erinnern Sie sich an Oleschky“, so der dringende Appell Sybihas am Rande der UN-Generalversammlung.

Seitdem schaut eine immer größere Weltöffentlichkeit auf die abgeriegelte Stadt in den russisch besetzten Gebieten in der Ukraine, in der sich eine humanitäre Krise abspielt: Mehrere Tausend Menschen harren dort seit Monaten aus, während Nahrungsmittelvorräte immer weniger werden. Berichten zufolge müssten viele Menschen auf Gras und ihre Haustiere zurückgreifen, um überhaupt etwas essen zu können. Was ist dort los?

In der Schusslinie

Die Kleinstadt, die vor Kriegsbeginn rund 24.000 Einwohner zählte, liegt am südlichen Ufer des Dnipro. Die Gebietshauptstadt Cherson, die die Ukraine neun Monate nach Russlands Invasion zurückerobert hat, ist nur neun Kilometer entfernt, doch genau dazwischen verläuft die Front. Das Gebiet rund um Oleschky gilt als vermint, ein Verlassen der Stadt in welche Richtung auch immer ist lebensgefährlich.

Dazu kommt, dass das russische Militär Oleschkys Nähe zur Front als Stellung nutzt, um von dort aus ihre FPV-Drohnen abzuschießen, sie sind präzise und können schnell auf bewegliche Ziele gelenkt werden. Mehrmals am Tag wird Berichten zufolge „Jagd“ auf die Menschen in Cherson gemacht, die Drohnen zielen auf alles, was sich bewegt, ins Visier. Das Krankenhauspersonal in Cherson spricht von durchschnittlich zwei Toten und 20 Verletzten pro Tag.

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Menschliche Schutzschilder

Das ukrainische Militär reagiert selbst mit Drohnenabschüssen, Oleschky liegt in der Schusslinie. Das russische Militär habe auch deswegen kein Interesse an einer Evakuierung, weil es die Menschen in Oleschky als menschliche Schutzschilder verwende, so der Vorwurf: „Russische Militärangehörige rennen in die Häuser und verstecken sich buchstäblich hinter den Familien“, schildert eine Bewohnerin Oleschkys der indischen Times of India. Drohnen würden zur Einschüchterung der Bevölkerung auch in Oleschky eingesetzt, legen Minen in Straßen und um Häuser, um die Menschen im Haus festzuhalten.

Die Versorgung in Oleschky war schon seit Jahren prekär: Die Stadt wurde im Juni 2023 von den Überschwemmungen nach der Zerstörung des Wasserkraftwerks Kachowka und des Damms fast vollständig überschwemmt, seitdem fehlt die Stromversorgung. Neben Lebensmitteln mangelt es auch an Benzin, um Generatoren zu betreiben. Die Menschen haben weder fließendes Wasser noch Heizung und Strom.

Die französische Le Monde zitiert eine Frau, der die Flucht gelang, sie legte 20 Kilometer zu Fuß zurück. „Der nächste Ort, wo man noch etwas zu essen findet, ist Radensk [etwa 20 Kilometer entfernt] oder die Gärten der Leute“, sagte sie, aber „was die Bewohner anbauen konnten, reicht nicht für alle.“ Es herrsche eine „sehr schwere Hungersnot“.

Selbst Kremlsprecher Dmitrij Peskow gestand Anfang vergangener Woche die kritische Lage ein. Er warf der ukrainischen Armee vor, durch Drohnenangriffe die Lieferung von Lebensmitteln nach Oleschky zu verhindern. Der Gouverneur des ukrainischen Gebietes Cherson, Olexander Prokudin, wiederum zeigt in einem Video, wie mit Lastdrohnen Lebensmittel in die Stadt gebracht wurden. Laut Prokudin würde Russland die Einwohner misshandeln, die die ukrainischen Spenden aus der Luft aufsammeln.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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