
Die Lage an der innerkoreanischen Grenze verschärft sich dramatisch. Nordkorea hat nach Schätzungen des südkoreanischen Militärs seit 2024 rund 960.000 Landminen entlang der Demarkationslinie verlegt – die Hälfte aller Minen, die insgesamt in der sogenannten Demilitarisierten Zone (DMZ) liegen.
Nun kündigte das Regime im Norden auch die Wiederaufnahme seiner Lautsprecher-Propaganda entlang der gesamten Grenze an.
Massive Grenzbefestigung seit Frühjahr 2024
Seit Frühjahr 2024 befestigt Nordkorea seine Grenze gegenüber dem Süden massiv. Machthaber Kim Jong Un ließ sämtliche historische Straßen- und Zugverbindungen sprengen und verlegte neben Landminen auch Barrieren und zusätzliche Stacheldrahtzäune. In der DMZ, dem rund vier Kilometer breiten Grenzstreifen, der die beiden Staaten seit dem Ende des Koreakriegs (1950-53) trennt, liegen damit nun insgesamt etwa zwei Millionen Landminen.
Der Ausbau der Grenzanlagen hat die Gefahr von Zwischenfällen massiv erhöht: Am 21. September wurden drei südkoreanische Soldaten durch die Explosion einer nordkoreanischen Landmine teils schwer verletzt. Nordkoreas Staatsführung wies die Verantwortung für den Vorfall zurück.
Lautsprecher und taktische Einheiten
Die einflussreiche Schwester des Machthabers, Kim Yo Jong, kündigte Ende Oktober an, die Propaganda-Lautsprecher entlang der gesamten Grenze in Betrieb zu nehmen. Zudem sollen taktische Einheiten neue Positionen einnehmen, erklärte sie laut der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA nach einem Besuch der Grenze.
Die Maßnahme sei eine „angemessene Reaktion“ auf das Vorgehen Südkoreas. Kim Yo Jong warf den südkoreanischen Streitkräften vor, an mindestens zwei Orten Warnschüsse abgegeben zu haben. Sollten dadurch Schäden auf nordkoreanischem Gebiet entstanden oder Soldaten verletzt worden sein, würden die Grenztruppen „die bewaffneten Verbrecher, die den Verstand verloren haben, gnadenlos ausschalten“, drohte sie.
Entspannungspolitik gescheitert
Der Schritt droht eine der wichtigsten Errungenschaften des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung zur Entspannung im Verhältnis zu Pjöngjang zunichtezumachen. Seine Regierung hatte im vergangenen Jahr die eigenen Propaganda-Übertragungen eingestellt und fest installierte Lautsprecher abgebaut.
Seoul kündigte inzwischen an, jede weitere Provokation Pjöngjangs entschlossen zu bestrafen, sollte Nordkorea seine militärische Präsenz an der Grenze weiter verstärken.
Kim erklärt Wiedervereinigung für gescheitert
Hintergrund der massiven Grenzbefestigung ist die von Kim Jong Un vollzogene Abkehr vom Streben nach einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten. Zuvor hatte es sich die Regierung in Pjöngjang seit Staatsgründung 1948 zum Ziel erklärt, auf eine Vereinigung mit dem Süden hinzuarbeiten.
Erstmals rückte Kim Ende 2023 von diesem Ziel ab, als er Südkorea zum „Hauptfeind“ erklärte. Mittlerweile hat Nordkorea auch sämtliche Bezüge zu einer Wiedervereinigung mit Südkorea aus der Verfassung des Landes gestrichen.
7.000 Arbeiter an der Grenze
Südkorea wirft dem Norden vor, dieses Jahr bis zu 7.000 Arbeiter an die Grenze geschickt zu haben, wobei es zu etwa 50 Überquerungen der Demarkationslinie gekommen sei. Nordkorea wies die Vorwürfe zurück.
Seit dem Koreakrieg ist die koreanische Halbinsel geteilt in einen kommunistischen Norden und einen demokratischen Süden. Der Krieg endete zwar 1953 mit einem Waffenstillstand, doch bis heute haben beide Staaten keinen Friedensvertrag unterzeichnet.
Source:: Kurier.at – Politik



