Gadi Eisenkot: Der Ex-Armeechef, der Netanjahu besiegen will

Politik

Ende der 1970er-Jahre in einer Ausbildungskompanie der Golani-Brigade in Nordisrael: Rekrut „Popey“, ein Zwei-Meter-Muskelprotz und klammheimlicher Boss der Kompanie, weigert sich, zum Morgenappell sein Bett zu verlassen. Vier Zugführer sind bereits in den ersten Wochen seiner Grundausbildung an ihm gescheitert. Der neue, ein bulliger Typ und drei Köpfe kürzer als Popey, fragt kurz: „Stehst du endlich auf?“ Von oben herab kommt nur ein müdes „Nein.“ Nach zwei Sekunden und einem kurzen, aber kräftigen Ruck liegt Popey am Boden und sein Stockbett über ihm. Drei Minuten später stehen alle Mann in Reih und Glied vor den Zelten.

Eine Anekdote aus dem Leben Gadi Eisenkots. Jenem Mann, der Israel vor Benjamin Netanjahu retten soll. Ob Eisenkot das auch kann, ist unklar. Doch führt er mit seiner Jaschar-Partei einige Umfragen knapp an. Er liegt vor dem Premier, der es in den drei Kriegsjahren seit dem blutigen Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 doch geschafft hat, einen Untersuchungsausschuss zu verhindern und Wut und Trauer der Israelis in eine Ecke irgendwo zwischen Routine und Ritual abzudrängen.

„Einer von uns“

Wer Eisenkot kennenlernen will, wird als erstes einen Soldaten sehen. Über 40 Jahre hat der 66-Jährige in Uniform verbracht. In dieser Zeit hat Eisenkot in jedem Krieg und an allen Fronten gekämpft. Als einfacher Infanterist fing er an, als Armeechef hörte er auf. Er gilt als kein Mann für schnelle Umbrüche, eher für beharrliches und geduldiges Agieren. Zu seinem Soldatenleben gehört auch der Verlust seines jüngsten Sohnes, der im Gaza-Krieg fiel. 

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Eisenkot war nie bei den silbergeflügelten Fallschirmjägern wie die meisten Generäle. Unter „seinen“ Golanis haben nur wenige mit 17 schon ihr eigenes Auto. Hier finden sich eher Burschen, die sich nicht beim „unbefugten Gebrauch von Fahrzeugen mit Maschinenkraft“ erwischen lassen.

Eisenkot wuchs im abseits gelegenen Elat auf. In den eher bescheidenen Verhältnissen einer kinderreichen marokkanischen Einwandererfamilie. Seine Herkunft ist ihm im Wahlkampf von Vorteil. Die Menschen mit arabischem Migrationshintergrund finden ihn: „Einfach zum Knuddeln“, findet ihn eine Jerusalemer Marktfrau. „Einer von uns.“ Doch sind Sympathien und Stimmen am 27. Oktober, dem Wahltag, auch identisch?

Wegen Migrationshintergrund beschimpft

Fast die Hälfte der Kernwählerschaft Netanjahus stammt aus arabischen Ländern. Seit über drei Jahrzehnten ist „unser Bibi“ ihr Idol. Eine Wende fällt da nicht leicht. Doch tut sich Netanjahu in diesem Wahlkampf schwer. Ausgerechnet der sonst so smarte Medienprofi vermeidet die direkte Konfrontation in einem Fernsehduell. Für viele ist Eisenkots etwas unbeholfene, aber sachliche Art im Vergleich zum aalglatten Teflon-Image Netanjahus eine willkommene Abwechslung, sie wirkt ehrlich und weckt Vertrauen.

Netanjahu findet nicht den richtigen Ton gegen diesen Kriegshelden und den vom Sohn verwaisten Vater. Er schickt Jinon Magal vor, seinen gut bezahlten Mann fürs Grobe. Der beschimpfte die Eltern ermordeter Geiseln und Gefallener als „die ekligsten Staatsbürger Israels“. Eisenkot schmäht er als „marokkanischen Affen“ und „Marionette jüdisch-europäischer Eliten“.

Eisenkot winkte nur lässig ab: „Unter meinem Niveau.“ Netanjahu distanziert sich pflichtschuldigst. Er möchte mit sowas nicht in direkte Verbindung gebracht werden, aber doch jene Stimmen einkassieren, die sich so vielleicht noch einfangen lassen. Sie könnten bei dem zu erwartenden knappen Ergebnis entscheidend sein.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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