
Wegen des Vormarschs der russischen Armee müssen Familien mit Kindern auf Anordnung der ukrainischen Behörden die Städte Kramatorsk und Slowjansk im Osten des Landes verlassen.
„Nicht zu rechtfertigendes Risiko“: Evakuierung ukrainischer Städte
Das Gebiet der sogenannten verpflichtenden Evakuierung werde ausgedehnt und umfasse nun „alle Ortschaften der Ballungsräume Kramatorsk und Slowjansk“, erklärte der Gouverneur der Region Donezk, Wadym Filaschkin, am Donnerstag im Onlinedienst Telegram. Er gab nicht an, wie viele Menschen betroffen sind.
Die Sicherheitslage in den genannten Gebieten verschlechtere sich ständig, gab Filaschkin an. Die russische Armee greife beide Städte „jeden Tag“ an. „Mit Kindern vor Ort zu bleiben stellt ein nicht zu rechtfertigendes Risiko dar“, erklärte der Gouverneur weiter. Erst am Dienstag waren bei russischen Angriffen auf Kramatorsk drei Zivilisten ums Leben gekommen. Drei Einfamilienhäuser wurden beschädigt.
Kramatorsk und Slowjansk sind die zwei bedeutendsten Städte in der ostukrainischen Region Donezk, die noch unter ukrainischer Kontrolle sind. Der Kreml will die Region im Zuge seines Angriffskrieges gegen das Nachbarland vollständig einnehmen. Die russische Armee verbuchte dort zuletzt stetig Geländegewinne. In der Vergangenheit hatten die ukrainischen Behörden bereits Evakuierungen in Teilen der Großräume Slowjansk und Kramatorsk angeordnet.
21 Raketen in Kiew eingeschlagen
Ungeachtet neuer US-Vermittlungsbemühungen gingen die gegenseitigen Luftangriffe im Krieg weiter. In Kiew schlugen am Donnerstag nach Angaben von Präsident Wolodimir Selenskij insgesamt 21 ballistische Raketen ein. Mindestens zwei Menschen seien dabei getötet sowie Infrastruktur und Gebäude beschädigt worden, erklärte Selenskyj einen Tag nach dem Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff.
„Fast unmittelbar nach einer weiteren Gesprächsrunde hat Russland einen gezielten Angriff gestartet“, schrieb Selenskij auf dem Kurznachrichtendienst Telegram weiter. „Seit dem Abend haben die russischen ‚Humanisten‘ drei Wellen ballistischer Angriffe auf Kiew abgefeuert.“ Er sprach von einem demonstrativen Schlag Moskaus nach den Verhandlungen vom Vortag.
Nach Darstellung Selenskijs setzte Russland 21 Raketen ein – vor allem auf Kiew. „Leider gab es in der Stadt zahlreiche Treffer und Schäden: Wohnhäuser, die Energieversorgung, die Infrastruktur eines Bahnhofs und der Metro, Einkaufszentren sowie Unternehmen“, sagte Selenskij. Insgesamt seien zwölf Regionen im Land in der Nacht Ziel russischer Angriffe gewesen. 34 Menschen seien verletzt worden, darunter fünf Kinder.
Neue Verhandlungen im November?
Der Angriff zeige, dass Russland seine Haltung nicht ändere. „Doch wenn russische Raketen die Antwort auf Verhandlungen sind, muss echter Druck auf Russland ausgeübt werden“, sagte Selenskij. Es brauche eine Verstärkung der ukrainischen Flugabwehr und „die rasche Lieferung von Raketen, die Fähigkeit, Abschussrampen für ballistische Raketen zu zerstören, Sanktionen wegen des Krieges“. Die Ukraine verdiene Unterstützung, der Aggressor eine angemessene Behandlung, betonte er.
US-Unterhändler Steve Witkoff hatte in St. Petersburg Kremlchef Wladimir Putin zu Gesprächen über den russischen Angriffskrieg getroffen. Er nannte Putin, den Selenskij als Terroristen bezeichnet, einen „Humanisten“. Nach dem Treffen Putins mit Witkoff stellte der Kreml neue Dreier-Verhandlungen mit Vertretern Moskaus, Kiews und Washingtons für Mitte November in Aussicht.
630 Drohnen: Ukrainische Angriffe auf Moskau
Die Ukraine griff ihrerseits in der Nacht Moskau mit Hunderten Drohnen an. Laut Russland wurden die meisten Flugkörper jedoch schon weit von der Hauptstadt entfernt abgeschossen. In der Nähe von Moskau wurden den Behörden zufolge aber zwei Menschen verletzt.
Bei …read more
Source:: Kurier.at – Politik



