Börsenexpertin: „Frauen erzielen bessere Anlageerfolge“

Wirtschaft

 Karin Kunrath ist seit 1992 in der Investmentbranche tätig und seit 2023 Chief Investment Officer in der Raiffeisen KAG. Im Podcast „Ziemlich Gut Veranlagt“ von KURIER und kronehit erzählt sie über die unterschiedliche Herangehensweise von Frauen und Männern beim Investieren.

KURIER: Man hört immer wieder, dass Frauen risikoaverser anlegen als Männer. Deckt sich das mit deiner Erfahrung aus der Praxis und wenn ja, woran liegt denn das?

Karin Kunrath: Ja, das deckt sich mit Ergebnissen, die wir in einer Studie, die wir 2025 präsentiert haben, gesehen haben. Weil Frauen vielfach leider weniger verdienen als Männer und sie damit weniger Spielraum haben, Risiken einzugehen. Dadurch sind sie im Durchschnitt deutlich risikobewusster als Männer. Und sie wollen auch verstehen, worin sie investieren. Das heißt, sie stellen mehr Fragen, gehen vielleicht ein bisschen analytischer vor. Das mache ich selber auch. Bei Kundenevents nehme ich wahr, dass sie das Gefühl der Kontrolle brauchen, zu wissen, was passiert mit ihrem Geld. Da kann man sagen, das ist ein bisschen zögerlich und man will nicht so richtig investieren, aber eigentlich ist es die Sorgfalt, das genau zu hinterfragen, was mit ihrem Geld passiert.

Ist diese Risiko-Aversion dann ein Nachteil in manchen Situationen?

Meiner Meinung nach nicht. Es ist vielleicht nur ein Nachteil, zu lange zu warten, um zu investieren. Aber Studien zeigen, dass Frauen eigentlich besser veranlagen, die besseren Anlageerfolge erzielen.

Warum?

Weil sie nicht zu Panikverkäufen neigen, wenn es einmal einen Kursverlust gibt, also wenn die Börsen korrigieren; und weil sie nicht jedem Trend hinterherlaufen und sagen, da muss ich noch unbedingt dabei sein. Das heißt, eine Investmententscheidung langfristig treffen und diese Entscheidung dann auch die Treue halten. Und was uns die Vergangenheit lehrt, ist, dass, wenn man permanent aus Positionen raus- und reingeht, man weniger gute Ergebnisse erzielt, als wenn man langfristig investiert bleibt.

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Es investieren noch immer weniger Frauen als Männer an der Börse. Wie sieht das bei der Kundenstruktur von RCM aus?

Also es gibt sicher in der Kundenschicht deutlich mehr Männer als Frauen. Das ist eine Tatsache und ist auch einer der Gründe, warum wir sehr viel Finanzbildung auch speziell für Frauen anbieten und auch sehr viele Veranstaltungen machen, um gemeinsam mit Kundinnen zu erarbeiten, wie wichtig der Kapitalmarkt ist. Aber das bessert sich langsam, vor allem bei Jüngeren, weil diese doch ein bisschen offener und unabhängiger sind. Diese typische Rollenverteilung, der Mann bringt das Geld nach Hause und weiß, was mit dem Geld passiert, das ist ja heutzutage zum Glück zum Teil nicht mehr so krass.

Frauen leben statistisch länger, verdienen im Schnitt weniger und haben häufiger Erwerbsunterbrechungen und sie investieren seltener. Dann müsste eigentlich die Gefahr weiblicher Altersarmut ziemlich groß sein.

Ich selbst bin Handelswissenschaftlerin und keine Soziologin, aber die Gefahr ist aus meiner Perspektive schon sehr real. Wir haben ja einen Gender-Pay-Gap. Und das heißt, dass Frauen in der Pension im Schnitt fast die Hälfte weniger als Männer bekommen. Und das ist natürlich schon eine große Lücke, die aus der Lebenssituation entsteht, die über Teilzeit entsteht, die über die Care-Arbeit entsteht, die Frauen leisten. Und wenn dann privat …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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