Neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie: Online-Einkauf auf Rechnung wird strenger

Wirtschaft

In Österreich tritt ab 20. November 2026 die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie in Kraft. Sie soll u. a. Konsumenten besser vor Überschuldung durch Online-Einkäufe schützen. Wie? Indem auch für Kleinkredite unter 200 Euro durch sogenannte „buy now, pay later“-Modelle dieselben Regeln gelten wie für klassische Kredite. Amazon hat bereits reagiert und schafft die Zahlungsoption der Monatsabrechnung ab. Auf welche weiteren Veränderungen sich Konsumentinnen und Konsumenten einstellen können, beantwortet Christian Giehler. Er ist Österreich-CEO der Inkassogruppe coeo, die international über fünf Millionen Schuldnerakten pro Jahr für Kunden wie Klarna abwickelt.

1.) Warum braucht es die Reform für Kredite?

Es gibt zwei Dinge, die sich in den vergangenen zehn Jahren extrem geändert haben. Zum einen sind Online-Kredite weitaus alltäglicher geworden und zum anderen haben wir die Thematik, dass die Leute unglaublich gerne weiterhin per Rechnung einkaufen. Diese Zahlungsmethodik, der Zahlungsaufschub, hatte bis dato eigentlich keine Regulation.

2.) Wie weit verbreitet ist diese Kaufvariante?

In Österreich wird im Online-Bereich über 30 Prozent die Zahlart Kauf auf Rechnung verwendet. Gerade bei Black-Friday-Angeboten wurde oft damit geworben, dass es sich um ein kostenloses Angebot handelt, aber in der Regel sind dahinter Gebühren verankert. Man hat vielleicht vier Wochen lang keine Zinsen, aber danach schon. Auch wenn Gebühren teilweise sehr klein sind, sind es versteckte Details, die der Verbraucher so nicht gewusst hat. Deswegen ist es so wichtig, eine Transparenz hineinzubekommen.

3.) Was ändert sich mit der Novelle konkret?

Man darf u. a. nicht mehr mit dem Wort kostenlos werben, wenn es kostenpflichtig ist. Bis dato gab es auch kein klassisches Rücktrittsrecht, das tritt jetzt auch mit dem Gesetz in Kraft. Und: Was große Anbieter von „buy now, pay later“-Modellen bereits machen, sind Bonitätsprüfungen. Das ist ein großer Punkt. Die waren bislang nicht erforderlich. Man prüft also ob eine Person schon Zahlungsschwierigkeiten hat.

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4.) Wie akribisch laufen Bonitätsprüfungen ab?

Man weiß natürlich nicht, was im Hintergrund genau passiert, aber Anbieter fragen Auskunfteien an. Es werden also nicht nur die eigenen Daten zu den Verbrauchern genutzt, sondern auch vom Crif, dem KSV oder Creditreform. Mit der Online-Bestellung, die durchgeführt wird, werden diese Daten abgerufen und in Sekundenschnelle aufgewertet. (Ausgenommen sind 14-tägige Zahlungsziele, Anm.)

5.) Werden Anbieter jetzt den Käufern häufiger einen Riegel vorschieben?

Genau. Der Konsument wird es dahin gehend bemerken, dass ihm die Zahlart plötzlich nicht mehr angeboten oder abgelehnt wird. Es kann auch sein, dass eine Alternative vorgeschlagen wird.

6.) Ist Konsumenten eigentlich bewusst, dass es sich beim Rechnungskauf um einen Kleinkredit handelt?

Unsere Erfahrung zeigt, dass es dem Konsumenten nicht bewusst ist, dass es sich um einen Kleinkredit handelt. Die meisten verwenden den Begriff Kredit bei der Immobilienfinanzierung, beim Leasing eines Autos oder dem Kauf einer teuren Küche. Das ist ein Finanzbildungsthema, weshalb es so wichtig ist, die Menschen aufzuklären.

7.) Nicht eine große Ausgabe wird häufig zum Problem, sondern viele kleine. Warum?

Die Frequenz der Käufe hat sich extrem erhöht, weshalb die Warenkörbe pro Bestellung eher gering sind. Im Bereich „buy now, pay later“ liegen wir bei 80 bis 100 Euro im Schnitt. Das häuft sich aber, viele vergessen das Zahlungsziel, denn das ist in der Regel erst …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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