Nuri: Warum die beliebte Sardinenmarke an ihre Grenzen stößt

Wirtschaft

In der Wiener Herrengasse wird die Dosensardine als Lifestyle-Produkt inszeniert. In den Regalen des kleinen Nuri-Shops stehen die charakteristischen gelben Dosen dicht an dicht, daneben hängen T-Shirts und Regenschirme mit dem Markenlogo. Heuer gibt es sogar erstmals einen Sardinen-Adventkalender. Eigentlich hätte der 2020 eröffnete Shop nur wenige Monate als Pop-up-Store bestehen sollen, erzählt Jakob Glatz, Eigentümer der Glatz GmbH und des Unternehmens hinter Nuri, beim Besuch des KURIER. Doch der Laden blieb – auch, weil sich die Marke in Österreich gut verkauft.

Portugiesische Tradition unter österreichischem Dach

Dabei handelt es sich bei den Sardinen in den gelben Dosen eigentlich um ein portugiesisches Traditionsprodukt. Seit 1935 produziert Pinhais & Cia die Fischkonserven in Matosinhos, einem Vorort von Porto. Bis heute werden die Sardinen dort von Hand verarbeitet: Nach dem Einlegen in Salzlake und dem Garen werden sie händisch mit Öl und Gewürzen in die Dosen geschlichtet. Rund 120 Beschäftigte arbeiten direkt in der Produktion, fast ausschließlich Frauen. „Diese Tätigkeiten werden teilweise über Generationen weitergegeben“, erzählt Glatz.

Sein Familienunternehmen war bereits seit Jahrzehnten Exklusivimporteur für Nuri, ehe Glatz 2016 die Fabrik übernahm. Dem vorausgegangen war eine schwere Krise der portugiesischen Sardinenfischerei: Wegen überfischter Bestände senkten Portugal und Spanien die Fangquoten über mehrere Jahre um rund 80 Prozent. Die Fische wurden knapp, Preise stiegen und Lieferungen fielen aus. 2015 konnten keine Nuri-Produkte mehr nach Österreich geliefert werden.

Als Glatz den Produzenten übernahm, stand die Fabrik bereits seit Monaten still. „Wir haben wieder bei null angefangen und bestimmt ein bis zwei Jahre gebraucht, bis wir wieder eine wirtschaftliche Basis geschaffen haben“, sagt er. Mittlerweile entwickelt sich das Geschäft deutlich besser. In den vergangenen zwei Jahren sei der Umsatz im „guten zweistelligen Bereich“ gewachsen. Auch für heuer erwartet Glatz ein Plus.

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„Rasantes Wachstum“: USA überholen Österreich

Die Nachfrage nach Fischkonserven ist in den vergangenen Jahren in vielen Märkten gestiegen. Österreich bleibt ein wichtiger Absatzmarkt: Rund ein Drittel der Nuri-Dosen wird hierzulande verkauft. Inzwischen sind die USA jedoch zum größten Wachstumsmarkt geworden. „In den USA steigt der Konsum gerade rasant an. Wir waren glücklicherweise früh genug am Markt und können jetzt von dem starken Wachstum im Bereich Fischkonserven profitieren.“

Auch die Nuri-Produktion wächst. Nach mehreren Jahren mit knapp drei Millionen Dosen jährlich wurden 2025 rund 4,5 Millionen Stück hergestellt. Heuer sollen es knapp sechs Millionen werden. In den kommenden Jahren will Glatz die Produktion auf zwölf Millionen Dosen verdoppeln.

Wachstum mit angezogener Handbremse

Das Vorhaben ist allerdings mit Herausforderungen verbunden. Die denkmalgeschützte Fabrik lässt sich nur eingeschränkt erweitern, schon jetzt kann das Unternehmen die Nachfrage nicht vollständig bedienen. Einzelne Lieferungen mussten auf das kommende Jahr verschoben werden, neue Kunden kann Nuri teilweise nicht mehr aufnehmen.

Zudem ist der Wettbewerb härter geworden. „Zuerst kam Marokko und irgendwann dann auch Asien, die günstiger produzieren können, weil sie günstigere Lohnkosten haben“, sagt Glatz. Im österreichischen Lebensmittelhandel konkurriert Nuri außerdem mit Eigenmarken der Handelsketten, die Dosensardinen zu niedrigeren Preisen anbieten.

Gleichzeitig steht die Branche unter Kostendruck. In Marokko, dem weltweit größten Produzenten von Dosensardinen, sind die Fangzahlen wegen anhaltender Überfischung rückläufig. Das erhöht die Nachfrage nach portugiesischen Sardinen und treibt die …read more

Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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