Trumps Apostel: Zu Besuch bei den Evangelikalen, die die USA zum Gottesstaat machen wollen

Politik

Noch drei Sekunden, dann zwei, nur mehr eine, jetzt kommt er. „Ein Halleluja für unseren Pastor!“, schreit ein Schwarzer mit Baseballcap in die Menge, der Countdown auf der Videowall endet mit einer Farbexplosion, Nebel wabert auf der schwarzen Bühne. „Unser Königreich wird kommen!“, ruft Landon Schott ins Mikro, Bass, Keyboard, Schlagzeug wummern. Mehr als tausend Menschen jubeln einem Mann zu, der gar nicht aussieht wie ein Prediger, er steckt in Skinny Jeans und T-Shirt, die Haare sind ausrasiert. Wäre Landon Schott nicht im Auftrag Gottes unterwegs, er ginge auch als Rockstar durch.

Mission Gottesstaat

Die Mercy Culture Church in Fort Worth bei Dallas ist das, was die Amerikaner eine evangelikale Megachurch nennen, man predigt gegen Abtreibung, Transgender und für andere vermeintlich christliche Werte. Traditionell ist an der texanischen Kirche aber nichts:

Hierher pilgern nicht nur reiche Weiße, die sich das Amerika der Gründerväter zurückwünschen, sondern auch Schwarze und Latinos, und dazwischen sitzen immer wieder Menschen mit Verbrecherkarrieren oder einem Leben voller Drogen. „Pastor Landon hat meinen Joe vom Satan befreit“, sagt Ashley einen Sitz weiter in der Bank, sie hat ihr fünftes Kind im Arm und deutet auf einen Mann mit Glatze weiter hinten, „er war ein Säufer.“ „Ich wurde als Kind missbraucht und war danach schwul“, ruft ein junger Mann auf der Bühne, er ist schwarz, trägt Baggys und Mütze. „Dann hat Gott mich von meiner Homosexualität geheilt.“ Schott umarmt ihn.

Seit sieben Jahren führen Schott, 43, und seine Frau Heather, eine durchtrainierte Blondine, die Kirche. Die beiden haben Podcasts, hunderttausende Follower, einen Onlineshop, Hoodies und T-Shirts, die locker als Streetwear durchgehen würden.

  ÖGB-Analyse: Großeltern sparen Staat durch Kinderbetreuung Milliarden

Die Schotts sind nicht steif, sie haben Spaß, und das zieht: Kaum eine Kirche in den USA wächst schneller, mittlerweile gibt es acht Standorte im ganzen Land, sogar eine in Washington gegenüber vom Supreme Court.

Ihre Mission ist aber alles andere als locker-lässig. „Wir führen einen spirituellen Krieg“, ruft Schott in die Menge, „wir kämpfen gegen Muslime, LGBTQ-Verirrte und alle anderen, die uns unser Land wegnehmen wollen.“ Die Menschen kreischen, sie feiern ihn.

Das neue, gelobte Land

Religion war bei den Amerikanern schon immer etwas anders als in Europa. Die Gründerväter trennten 1776 Staat und Kirche zwar aus Angst vor kirchlichem Einfluss, doch die USA waren für sie eine christliche Nation. Auf sie berufen sich die Evangelikalen wie Schott immer, wenn sie von der „exzeptionellen Nation USA“ sprechen – vom neuen geheiligten Land also, vom neuen auserwählten Volk.

Diese Erzählung hören die Amerikaner seit den 1950ern immer lauter, da begann der Aufstieg der evangelikalen TV-Prediger, die in ihren Megachurches und vor Millionen TV-Zusehern die „Religiosität des Herzens“ zelebrieren. Statt Bibelexegese gibt es dort Gesang, Pomp und dramatische Bekenntnisse, ein Viertel der Amerikaner geht in ihre Kirchen. Dazu geben die „Televangelists“ gern Wahlempfehlungen: 1980 verhalfen sie Ronald Reagan ins Oval Office, auch George W. Bush konnte auf sie zählen.

Seit Donald Trump geben sich die Evangelikalen noch politischer, obwohl Wahlwerbung eigentlich per Gesetz verboten ist. Prediger Robert Jeffress, 70, der auf Fox Kommentator ist und dessen Radioprogramm auf 1.100 US-Sendern läuft, steht zeitgleich mit Schott in Downtown …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

(Visited 1 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.