Mietwohnungen in Wien: Warum der Bau plötzlich einbricht

Wirtschaft

Wie reagiert der Markt auf die Maßnahmen der vergangenen Jahre“, formuliert Bauträgersprecher Clemens Biffl die Frage, die die Immobilienbranche beschäftigt. Er bezieht sich damit auf Eingriffe in die Vermietung von Wohnungen wie die Mietpreisbremse bzw. die gedeckelte Wertsicherung der Mieten. Diese haben Auswirkungen darauf, ob sich ein Projekt für den Entwickler rechnet.

Angesichts der Fertigstellungszahlen für Wien rechnet sich so manches Projekt wohl nicht – und wird erst gar nicht gestartet. Denn während österreichweit für 2026 ein moderates Wachstum bei den Fertigstellungen erwartet wird, setzt sich der Rückgang in Wien fort. Besonders deutlich sichtbar ist das bei den gewerblichen Mietwohnungen: Während heuer noch rund 2.500 Einheiten in Fertigstellung sind, ist es absehbar, dass die Fertigstellungen von gewerblichen Bauträgern 2027 auf unter 500 Einheiten sinken – das zeigen aktuell ausgewertete Daten von der Bauträgerdatenbank Exploreal.

Alarmglocken schrillen

„Das ist ein Alarmsignal“, betont Nicole Fürntrat, Obfrau des Fachgruppe der Wiener Immobilientreuhänder. Mehr Mietwohnungen errichten derzeit die gemeinnützigen Bauträger. Doch auch hier wird für 2027 ein leichter Rückgang von derzeit 2.740 auf 2.678 Mietwohnungen erwartet. Gewerbliche Bauträger errichten hingegen vermehrt Eigentumswohnungen – die Anzahl der fertiggestellten Einheiten wird von mehr als 3.000 in diesem Jahr auf fast 4.000 im kommenden Jahr steigen. Jenen Haushalte, die in den kommenden Jahren eine neue Mietwohnung suchen, hilft das nicht. „Bauträger trauen sich nicht, in die gewerbliche Miete zu gehen“, sagt Clemens Biffl. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir zu wenig Mietwohnungen haben werden.“

Woran die Errichtung scheitert? „Der gewerbliche Mietwohnungsbau ist gegenüber Banken schwierig darstellbar“, erklärt Nicole Fürntrat. Die österreichweiten Fertigstellungszahlen zeigen deutlich, wie viel Wohnraum fehlt: 2027 werden nur mehr 32.000 Wohneinheiten fertiggestellt werden – 2021 waren es noch knapp 62.000.

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Novelle des Wohnrechts

Wann das ursprünglich für Herbst 2026 angekündigte Wohnpaket kommt – voraussichtlich 2027 – und welche rechtlichen Änderungen auf die Branche zukommen, sorgt dafür, dass viele Projekte aktuell nicht umgesetzt werden. „Diese Verunsicherung hält viele Entwickler davon ab, in den Wohnbau zu investieren“, beobachtet Clemens Biffl. Befürchtet werden Eingriffe in die freien Marktmieten. Der Rückgang im Neubau wirkt sich auch auf die Wohnungspreise aus. Neu errichtete Eigentumswohnungen verzeichnen stärkere Preiszuwächse, dazu tragen vor allem die höheren Produktionskosten bei,  die infolge des Irankriegs gestiegenen Energiepreise verteuern Bauvorhaben.

Für 2026 erwartet Raiffeisen Research einen österreichweiten Anstieg der Wohnungspreise um 2,5 Prozent. Dies wirkt sich auch auf den Mietmarkt aus: Im zweiten Quartal lagen die Angebotsmieten um rund 5,1 Prozent über dem Vorjahr. Die regionalen Unterschiede sind freilich groß: Dort, wo der Wohnungsmangel größ er ist – wie etwa in Wien und Vorarlberg – steigen die Mieten auch stärker.

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Source:: Kurier.at – Wirtschaft

      

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