
Berichte wie diese haben „Auflösung“ inspiriert. In ihrer zweiter Virtual-Reality-Produktion nach der mit einem Nestroy ausgezeichneten VR-Performance [EOL]. End of Life, schicken Victoria Halper & Kai Krösche ihr Publikum durch eine sich im Zerfall befindliche Architektur. Nach dem Auftakt mit der Roboterpuppe und einem (angeblichen) Hausmeister aus Fleisch und Blut, werden die Besucher mit einer VR-Brille auf eine Reise geschickt, an deren Ende die sinnbildliche „Auflösung“ steht. Mittels Headset und Controller wird das Publikum einzeln durch verschiedene Räume dirigiert. Das baufällige Haus verwandelt sich in dieser virtuellen Welt bald zu einer baufälligen Seniorenresidenz und daraus wird letztlich eine baufällige Existenz. Man verliert sich schnell. Wo eben noch eine Tür war, ist jetzt eine Mauer, dreht man sich um, gähnt ein Abgrund. Szenografie (Matthias Krische) und 3D-Architektur (Mark Surges) sind schwindelerregend und höchst beeindruckend.
Auch wenn man sich immer wieder selbst ermahnt und daran erinnert, dass man sich immer noch hier in einem Gang im ersten Stock in der Nordwestbahnstraße befindet: Die Orientierungslosigkeit, der man ausgesetzt ist, die Ängste, die man hier durchsteht sind, je nach persönlicher Nervenstabilität, beträchtlich und faszinierend. Zwischendurch ist das auch eine schöne Erfahrung, etwa, wenn einen eine Gondel an einen Ort führt, von dem aus sich die Welt von oben betrachten lässt.
Es geht hier aber nicht vorrangig um ein persönliches Erleben, sondern um eine gesellschaftliche Frage: Was passiert, wenn Menschen Orientierung und Hilfe brauchen – und niemand mehr da ist, um ihnen die Hand zu halten? Hier ist es immerhin möglich, die Performance abzubrechen und die VR-Brille abzulegen. Im wirklichen Leben nicht. Eine höchst beeindruckende Erfahrung.
Source:: Kurier.at – Kultur



