Doku über Greta Thunberg: „Ich will, dass ihr in Panik ausbrecht“

Kultur

Der Doku-Regisseur Nathan Grossman über sein turbulentes Jahr mit der Klimaschutz-Ikone Greta Thunberg

Als der schwedische Fotograf und Doku-Filmemacher Nathan Grossman die 15-jährige Schülerin Greta Thunberg kennenlernte, saß sie alleine vor dem schwedischen Parlament und streikte. Sie hielt ein selbst gebasteltes Pappschild in der Hand, auf dem zu lesen stand „Skolstrejk för klimatet“. An diesem Tag sprachen gerade einmal drei Leute das junge Mädchen auf sein Anliegen an.

Kaum ein Jahr später gingen Millionen junge Menschen für „Fridays for Future“ auf die Straße und protestierten gegen die Klimazerstörung – inspiriert von dem Vorbild Greta Thunbergs.

Damit hatte Nathan Grossman nicht gerechnet, als er die Schülerin fragte, ob er für ein, zwei Tage ein paar Probeaufnahmen mit ihr machen dürfte. Der junge Schwede, Jahrgang 1990, war durch den Hinweis eines Freundes auf die Klimaaktivistin aufmerksam gemacht worden: „Zuerst konnten wir Greta gar nicht finden“, erzählt er im KURIER-Gespräch über die Entstehung seiner sympathisch-berührenden Doku „I Am Greta“ (derzeit im Kino): „Aus den zwei Tagen wurde dann etwas mehr als ein ganzes Jahr.“

Die Zufälligkeit der Begegnung bestimmte auch die Form des Films, die als Fernsehproduktion auf der Disney zugehörigen Streaming-Plattform Hulu einem Millionenpublikum angeboten wird: „Anfänglich hatte ich keine Ahnung, wo es hingehen sollte“, gibt Grossman offen zu: „Ich fand, Greta hatte eine faszinierende Stimme. Mir schien, das könnte eine interessante Sachen werden.“

APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI

Nathan Grossman: „Hatte keine  Ahnung, wo es hingehen sollte“

Nathan Grossman war also von Anfang an dabei, als sich die Ereignisse zu überschlagen begannen und ihn zum Zeugen eines rasanten Aufstiegs machten: Aus der unbekannten schwedischen Schülerin mit dem Asperger Syndrom wurde eine Ikone der internationalen Jugendbewegung im Kampf gegen den Klimawandel.

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Grossman beobachtet Greta bei ihren fulminanten Reden vor den Horden gaffender Erwachsener, die das bezopfte Mädchen – besonders am Anfang – mit offenem Mund anstarren: „Mein Name ist Greta Thunberg“, bekommen sie entgegengeschleudert: „Ich komme aus Schweden. Ich will, dass ihr in Panik ausbrecht.“ Getreulich dokumentiert er den Sog der Popularität, der Greta ergreift und zu EU-Versammlungen in Brüssel und Straßburg oder zur UN-Klimakonferenz nach Kattowitz spült.

Stadtkino

Greta Thunberg demonstrierte zuerst alleine: „I Am Greta“

An diesem Punkt bekommt „I Am Greta“ Züge eines Roadmovies, wenn Greta im Elektroauto oder im Zug von einem Termin zum nächsten reist und organische Bohnen aus der Dose isst.

Vater-Tochter
Stadtkino

Wurde von Nathan Grossman über ein Jahr lang begleitet: „I Am Greta“

Greta ist dabei immer in Gesellschaft ihres Vaters Svantje, der sich bemüht, seiner Tochter zwischen Hotelzimmern und öffentlichen Auftritten familiäre Stabilität zu bieten. Grossman ist mit seiner Kamera anwesend, wenn Greta in ihrem Hotelzimmer an einer Rede schreibt, zunehmend verzweifelt und mit dem Vater zu streiten beginnt: „Du musst etwas essen“, versucht Svantje seine aufgeriebene Tochter zu beruhigen.

Manchmal will der Vater auch gute Ratschläge austeilen, etwa, wenn er der Tochter nahelegt, Worte wie „Massenaussterben“ zu vermeiden – das sei zu harsch. „Es ist mir egal, wenn ich mich unbeliebt mache“, bekommt er harsch zur Antwort.

„Es war schwierig, die Balance zwischen der privaten und der öffentlichen Greta zu finden“, meint Grossman, dem immer wieder berührende Momente gelingen, in denen er …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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