
von Susanne Zobl
Wenn Sie bis zum 20. September am Nachmittag auf dem Karlsplatz vorbeikommen, wundern Sie sich nicht, wenn sie plötzlich Musik hören und ein Ringelspiel seinen Betrieb aufnimmt. Das ist kein Ableger vom Prater, sondern die Bühne für die aktuelle Produktion im, respektive hier vor dem NEST, der Spielstätte der Wiener Staatsoper für das jüngste Publikum.
„Karussell“, so der Titel dieser Koproduktion mit der Opèra National de Nancy-Lorraine gibt Einblicke in die Welt der Oper mit Schwerpunkt auf Jacques Offenbach. Gespielt wird auf und um das Ringelspiel herum. Kinder ab 4 Jahren dürfen auf einem der rosa Pferde aufsitzen.
Eine Gestalt die gleichzeitig wie eine Frau und ein Mann gekleidet ist springt auf, stellt sich als Muse vor, erklärt die Faszination der Oper, die verschiedene Kunstgattungen vereint. Das ist etwas nervig, denn sie spricht wie in Rekordtempo.
Aber das verflüchtigt sich rasch. 20 kurzweilige Minuten dauert die Fahrt. Nicht nur das Ringelspiel sieht aus wie aus einem Märchenbuch, auch die Darsteller. Eine Sängerin, als mehrstöckige Torte (Szenografie und Kostüme: Hannah Oellinger) verkleidet, verkörpert die Puppe Olympia. Sie kann nur singen, wenn sie vom Publikum ordentlich angefeuert wird, das funktioniert.
Berührungsängste bröseln
Den Märchen-Effekt komplettiert ein als Hanswurst verkleideter Tänzer. Interessant sind die Reaktionen der Kinder bei der „Barcarole“. Die Reiterinnen blicken fast alle gebannt auf die beiden Sängerinnen, doch einige Buben schauen bei den ersten Takten fast beschämt zu Boden. Da sie sieht so aus, als ob sie nicht zugeben wollten, dass ihnen diese Musik gefällt.
Nach der dritten Runde aber kann sich niemand mehr deren Bann entziehen. Was will man mehr als Beweis dafür, dass dieses Konzept für Oper zu begeistern, funktioniert. Dan K. Kurland leitet das Bühnenorchester der Staatoper animiert. Viel Applaus!
Bis 20. 9. wrid an ausgewählten Tagen dreimal täglich gespielt. Infos auf www.nest.at
Source:: Kurier.at – Kultur



