
Sie war eine Unbeugsame, eine Unbequeme – und eine Wundervolle: Erni Mangold war eine der herausragendsten Persönlichkeiten der österreichischen Film- und Bühnengeschichte. Sie spielte große und auch ungewöhnliche Rollen auf der Bühne, sie wirkte in mehr als 100 Filmen mit. Und blieb dabei zeitlebens im Widerstand gegen die Zumutungen der Branche und gegen deren Männer, die ihr zu nahe kommen wollten. Nun ist Mangold 99-jährig gestorben.
Selbst ein Erinnerungsbuch nannte sie einst „Lassen Sie mich in Ruhe“. „Ich wollte nie mich irgendwie durchschwindeln, es nur den Mächtigen recht machen“, sagte sie in ihrem Buch „Sagen Sie was Sie denken – Mein Leben in Bildern“. „Dagegen war ich immer. Wenn’s mir in meiner Karriere geschadet hat, dann sollte es so sein. Mein Grundsatz, auch und gerade jetzt mit bald 95, bleibt: Ich beuge mich nicht, ich verbiege mich nicht!“
„Monstrum an Wahrhaftigkeit“
Der frühere Volkstheater-Direktor und ihr einstiger Schüler Michael Schottenberg nannte sie später einmal „ein Monstrum an Wahrhaftigkeit“. Und das stellte Mangold in einer großen Bandbreite an Rollen unter Beweis.
Ihren Bühnenabschied hatte Mangold 2017 mit „Harold und Maude“ an den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt verkündet – womit sich ein Kreis schloss, hatte die junge Schauspielerin doch just an jener Bühne 1946 auch ihr Debüt gefeiert.
In eine kunstliebende Familie geboren
Geboren wurde sie am 26. Jänner 1927 in Großweikersdorf in einer kunstliebenden Familie, war der Vater doch nebenberuflich als Maler tätig, die Mutter passionierte Pianistin. Nur folgerichtig, dass es auch die junge Ernestine in die Kultur zog. Nach der Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss spielte sie nach ihrem Debüt von 1946 schließlich bis 1956 an der Josefstadt.
Wie sie dabei einerseits als „Sexerl“ Karriere machte, andererseits ihre Abwehrtechniken bei den häufigen Zudringlichkeiten („Die Männer waren hinter mir her, dass es ein Graus war“) verfeinerte und sich dennoch an der Seite von Helmut Qualtinger oder Ernst Haas mit Verve ins Wiener Nachtleben stürzte, schildert sie in „Lassen Sie mich in Ruhe“ ausführlich.
1956 ging sie dann für acht Jahre ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux. Zwischen 1965 und 1972 folgten weitere Engagements in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Parallel dazu entdeckte Mangold ihre Liebe zum „alternativen“ Theater. So trat sie etwa in der Wiener Kulisse auf, ehe sie 1981 von Hans Gratzer ans Wiener Schauspielhaus geholt wurde, später war sie die Entdeckerin des Dramatikers Werner Schwab.
Außergewöhnliche Rollen
Neben eher klassischen Charakteren wie der Marthe Schwerdtlein im „Faust“, der Lady Macbeth oder der Frau Muskat im „Liliom“, empfahl sich Mangold auch als grandiose Spezialistin für Skurriles wie in „Arsen und alte Spitzen“ oder für eigenwillige Kunstfiguren wie das alterslose „Schneewittchen“ in Elfriede Jelineks „Prinzessinnendramen“.
Neben ihrer Bühnenlaufbahn hat Mangold in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter Karl Hartls „Der Engel mit der Posaune“ (1948), O.W. Fischers „Hanussen“ (1955), Peter Patzaks „Kassbach“ (1979) oder Richard Linklaters „Before Sunrise“ (1995). Eine Institution wurde die Schauspielerin, die 20 Jahre mit ihrem Schauspielkollegen Heinz Reincke verheiratet war, auch als Lehrerin. Sie unterrichtete am Salzburger Mozarteum, der Wiener Schauspielschule Krauss und am Max …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



