Festwochen-Debatte: Warum gibt Milo Rau dem Milliardär Peter Thiel eine Bühne?

Kultur

Es ist alles immer eine Frage des Kontextes. Wenn jemand anderes – sagen wir mal, der eigene Onkel oder ein Obdachloser auf der Straße – einige jener Dinge sagen würde, die Peter Thiel so meint, würde man dem Onkel das Internet wegnehmen oder im anderen Fall seinen Schritt beschleunigen, um schnell vorbeizugehen.

Die EU, die UNO und der Klimaschutz sind Wegbereiter des Antichristen! Freiheit und Demokratie sind unvereinbar! Das Frauenwahlrecht behindert die kapitalistische Demokratie! Dank der Künstlichen Intelligenz können wir die Fesseln der Demokratie abstreifen!

Nun ja.

Der Kontext rund um die Einladung durch die Wiener Festwochen unter Milo Rau und die nun entbrannte Kritik daran ist aber, dass Peter Thiel einer der mächtigsten Männer dort ist, wo es zählt: im Meinungs-Ökosystem des Silicon Valley und der dortigen libertären Tech-Bewegung. 

Die – Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff Bezos – ist zuletzt merklich weit nach rechts gerutscht, und das wäre ja auch egal, wenn dieser politische Gleichschritt weg vom Kern der Demokratie nicht zugleich mit viel Macht einhergehen würde. Dabei geht es um Geld, aber nicht nur. Es geht auch um ein Zukunftsbild, das diese Menschen zeichnen. Und das mit dem demokratischen nur bedingt übereinstimmt.

Der Antichrist kommt

Voran geht hier Peter Thiel. Der hält immer wieder – zuletzt in der Nähe des Vatikans und in Tirol – Vorträge über seine apokalyptisch-religiöse Sicht der Weltentwicklung. Bei diesen darf man weder aufnehmen noch mitschreiben, seine prinzipiellen Gedanken sind aber bekannt: Die Welt gehe nach Meinung des in Deutschland geborenen Investors auf einen totalitären Gesamtstaat zu. Grund dafür ist die große Erzählmacht der bevorstehenden Katastrophen: All jene, die vor Klimawandel, Atomkrieg oder den Gefahren der KI warnen und zur Eindämmung dieser Gefahren auf überstaatliche Institutionen setzen, arbeiten demnach an dieser „antichristlichen“ Vorstellung eines weltweiten Gesamtstaates. Denn der Antichrist erobere die Welt dadurch, dass er immer von Armageddon rede.

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Bei Thiel, der mit der Geld-App Paypal reich wurde und dessen „Global Strategist“ bei Thiel Capital ab 2022 eine Zeit lang Sebastian Kurz war, werde „die christliche Heilsgeschichte zu einem Endkampf zwischen Gut und Böse mit bloß politischen Kategorien reduziert“, sagte ein Jesuit nach einem Vortrag des Milliardärs. Man solle, sagt Thiel jüngst in einem Interview mit der New York Times, wegkommen von dem alten Bild, dass ein böses Tech-Genie, ein böser Wissenschafter die Welt übernehme. Heute sei viel wahrscheinlicher, dass Greta Thunberg dies tue (wobei er einschränkte, dass sie nicht der Antichrist sei).

Thiels Firma Palantir – übrigens benannt nach einem Stein in „Herr der Ringe“, mit dem man die Wahrheit verzerren kann – steht immer wieder in der Kritik bezüglich staatlicher Überwachung: Ihre Datenanalysetechnik wird etwa von der US-Behörde ICE verwendet, die zuletzt vermummt und ohne Prozess Migranten von Amerikas Straßen holte.

Netzwerk

Thiel ist in der prägnanten Zusammenfassung der APA der Ideologe einer international vernetzten, ultrakonservativen, christlichen Rechten mit stark apokalyptischen Bezügen. Er unterstützt Donald Trump, J. D. Vance und weitere Politiker des republikanischen Spektrums. Thiel selbst sagt laut Guardian, dass der Nazijurist Carl Schmitt den Kern seiner Überzeugungen geprägt habe.

Nun soll er dieses Weltbild auch bei den Wiener Festwochen erläutern – bei …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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