
Die derzeitige ORF-Chefin Ingrid Thurnher bewirbt sich nicht für die Leitung des Öffentlich-Rechtlichen ab 2027. „Ich werde mich nicht erneut als Generaldirektorin bewerben“, schrieb sie am Donnerstagvormittag – dem Tag, an dem die Bewerbungsfrist abläuft – in einem Email an die Belegschaft.
Thurner ist bis Jahresende ORF-Generaldirektorin, sie hat das Haus nach dem Abgang des Ex-Generals Roland Weißmann übernommen. Weitere Skandale und Debatten – vorwiegend über Werbechef Oliver Böhm, ORF-III-Chef Peter Schöber, aber auch über Führungskultur, den Stiftungsrat und politischen Einfluss – sorgten für mehrere Nachbeben am Küniglberg.
Obwohl die Bewerbung für die Zeit ab 2027 reizvoll wäre, sieht sie davon ab – denn sie „brauche jetzt die Hände frei, um im ORF das umsetzen zu können, womit ich angetreten bin, das, was ich Euch versprochen habe“. Und dass sie keine weitere Amtszeit anstrebe, bringe hierfür „eine gewisse Freiheit mit sich: Ich muss nicht taktieren, ich muss nicht tun, was opportun ist“, schrieb sie.
„Diese Unabhängigkeit ermöglicht mir, das zu tun, was Voraussetzung für den Neustart des ORF ist“, so Thurnher weiter: dass aufgearbeitet wird, dass die richtigen Weichen gestellt werden, dass der ORF wieder Vertrauen zurückgewinnt. Ihr Programm – „Transparenz. Konsequenz. Aufarbeitung.“ – werde sie durchziehen. Das werde nicht leicht, denn es stehen Entscheidungen an, die „möglicherweise weh tun“ und „Widerstand auslösen“ werden.
Die ORF-Chefin lässt auch wissen, was sie von der derzeitigen Chefsuche erwartet: Sie gehe „davon aus, dass sich der Stiftungsrat gerade angesichts der Diskussionen der letzten Wochen seiner besonderen Verantwortung bewusst ist, und dass er im Einklang mit allen rechtlichen Voraussetzungen eine Entscheidung treffen wird, die im Interesse des Publikums und eines starken ORF ist.“ Und sie „appelliere auch an die Politik, sich mit Zurufen zurückzuhalten“.
Für die Leitung wird APA-CEO Clemens Pig hoch gehandelt, dessen Bewerbung heute erwartet wird, auch weitere Kandidaten werden die letzten Stunden vor Ende der Bewerbungsfrist nützen.
Source:: Kurier.at – Kultur



