
Knapp drei Monate nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran kristallisiert sich ein Profiteur des Krieges heraus: China. Die durch die anhaltende Blockade der Straße von Hormus steigenden Ölpreise sind zwar auch in der Volksrepublik spürbar, doch sie haben die globale Nachfrage nach nachhaltigen Energiequellen massiv erhöht – hier sind chinesische Hersteller Vorreiter.
Mit dem Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar explodierte der Wert chinesischer „Greentech“-Exporte, also vor allem Solar- und Windanlagen, Batterien und E-Autos. Laut dem britischen Thinktank Ember stieg das Exportvolumen in diesem Sektor seit Februar (19 Mrd. Dollar) um mehr als ein Viertel: Im April waren es 25, im März sogar 25,7 Milliarden Dollar – ein Rekordwert.
Besonders stark war der Anstieg bei E-Autos: Vor Kriegsbeginn betrug das Volumen 6,5 Milliarden, im April dann 9,1 Milliarden Dollar, was ein Wachstum von 40 Prozent bedeutet. Die meisten chinesischen E-Autos werden in die EU geliefert; seit Februar ist die Zahl um 25 Prozent gestiegen. Das prozentuell größte Wachstum gab es bei Solar- und Batterietechnologieexporten mit jeweils 44 Prozent Zuwachs. Auch hiervon gehen die meisten chinesischen Produkte nach Europa.
Wie groß die Abhängigkeit in ausgewählten EU-Staaten ist, zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der deutschen Friedrich-Naumann-Stiftung: Demnach stammten in Deutschland 2025 mehr als 90 Prozent aller Solarpanels und zwei Drittel aller Lithium-Batterien aus China. Seltene Erden, die für starke Magnete benötigt werden – etwa in E-Motoren – werden fast vollständig aus China bezogen.
Außerhalb der EU stieg die Nachfrage laut Ember vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern, dort aber in noch nie da gewesenem Ausmaß: In Malaysien (insg. 130 Mio. Dollar) explodierten die Importe aus China seit Februar um 360 Prozent, in Nigeria (98 Mio.) um 450 und in Äthiopien (67 Mio.) sogar um 470 Prozent. In all diesen Ländern sind Dieselgeneratoren üblich, sie suchen nach einem Ausweg aus der Ölpreis-Krise.
Langfristige Strategie
Chinas Vorreitertum in grünen Technologien ist das Ergebnis langfristiger Industriepolitik. Seit 2010 fördert der Staat Unternehmen sowie die Forschung und Entwicklung jährlich mit Milliardenbeträgen. Im selben Zeitraum entstand in China mehr erneuerbare Energieinfrastruktur als im Rest der Welt.
Trotzdem machen Solar-, Wind- und Wasserkraft heute zusammen nur etwa ein Drittel des chinesischen Energiemix aus. Der Ölanteil liegt bei etwa 20 Prozent, wovon die Hälfte importiert wird – und zwar vorrangig über die Straße von Hormus. Die Einnahmen durch die gestiegenen Greentech-Exporte werden die Verluste durch höhere Ölpreise also nicht aufwiegen, meint der Ökonom Alexander Brown vom Berliner Thinktank MERICS im Handelsblatt: „Insgesamt wird China trotzdem wirtschaftlich unter dem Iran-Krieg leiden.“
Allerdings wohl deutlich weniger als die meisten anderen Staaten weltweit.
Source:: Kurier.at – Politik



