„Götterdämmerung“ in Bayreuth endete mit einem Buhorkan

Kultur

Finale beim „Ring des Nibelungen“: Proteste gegen die Regie und ein kurzfristig eingesprungener Siegfried. Die Nachtkritik.

Eigentlich hätte Stephen Gould den Siegfried in der „Götterdämmerung“ am Grünen Hügel singen sollen. Er musste krankheitshalber absagen, sein Ersatz war ebenso erkrankt, so kam der Ersatz vom Ersatz zum Zug – der musste allerdings 24 Stunden davor erst mit dem Flugzeug direkt vom Urlaub aus Bari anreisen.

Bayreuther Festspiele/Enrico Nawrath

Clay Hilley heißt er, er spielte ambitioniert (er hat die für ihn völlig neue Produktion über Nacht intensiv geprobt), hat einen altmodischen Heldentenor und machte seine Sache beachtlich. Viel problematischer war Iréne Theorin als völlig unverständliche, schrille Brünnhilde. Und auch Albert Dohmen als Hagen ohne jede Dämonie. Gut: Michael Kupfer-Radecky als Gunther, Christa Mayer als Waltraute und Okka von der Damerau als 1. Norn.

Dieser „Ring des Nibelungen“ hinterlässt aber auch musikalisch keine großen Spuren. Cornelius Meister am Pult des durchaus schön klingenden Orchesters müht sich um Koordination, nicht immer erfolgreich, eine Lesart bleibt auf der Strecke. Er macht es den Sängern mit verschleppten Tempi auch nicht immer leicht. Meister war ebenso ein Einspringer in Bayreuth und hatte nicht allzu viel Zeit zum Proben.

Szenisch hingegen wird man noch lange von diesem „Ring“ reden, den der Österreicher Valentin Schwarz packend wie einen Streaming-Krimi inszenierte. Schwarz bleibt auch in der „Götterdämmerung“ seiner Sicht treu, setzt teilweise auf Slapstick, wenn er etwa Gunther und Gutrune optisch ziemlich peinlich wie „Die Geissens“ auf die Bühne bringt. Aber insgesamt ist seine Interpretation total düster, pessimistisch, am Ende geht die Welt bei ihm wirklich unter, der Rhein, also ein Swimmingpool, ist de facto ausgetrocknet. Das Kind, das den Ring spielt (am Ende Siegfrieds und Brünnhildes Tochter), ist ebenfalls tot. Die nächste Generation hat nicht wirklich eine Chance, wenn sie so aufwächst.

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Der Buhorkan gegen die Regie war gewaltig. Als hätten viele seit Tagen nur darauf gewartet, ihre Ablehnung äußern zu können. Dabei ist dieser „Ring“ besonders faszinierend, analytisch, psychologisch ambitioniert und eine menschliche Studie durch und durch.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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