
Mit einem Ausrollungsgrad von 96,9 Prozent ist Österreich fast vollständig mit digitalen Stromzählern (Smart Meter) ausgestattet. Eigentlich hätten es bereits 2019 mindestens 95 Prozent sein sollen, aber es gab ein paar Verspätungen. Während manche Haushalte immer noch einen alten, analogen Ferraris-Zähler mit Drehscheibe verwenden, klopft bereits die nächste digitale Generation an die Tür. Sie wird Smart Meter 2.0 genannt und soll einige Probleme ausmerzen, die derzeit noch häufig auftreten.
Smart Meter: Datenübertragung oft unzuverlässig
Eine notorische Schwachstelle ist etwa die Datenübertragung über Stromleitungen (PLC). Laut E-Control-Bericht ist sie störungsanfällig. Manchmal scheitert die Herstellung einer Verbindung an einer Frist von 45 Tagen. Schaffen es Netzbetreiber so lange nicht, an einem Standort eine funktionierende Datenübertragung herzustellen, müssen sie dort wieder auf non-smartes Stromzählen umstellen. 47.000 Stromkunden sind davon betroffen. Einige der ersten verbreiteten Smart Meter kommen außerdem bereits ans Ende ihrer Einsatzdauer und können nicht mehr mit Updates versorgt werden.
Der Rechnungshof schätzte die Kosten für die Einführung von Smart Metern in einem Bericht aus dem Jahr 2022 auf mindestens 2,18 Milliarden Euro. Die Opposition bezeichnete die Einführung, die 2012 von der E-Control erstmals angestoßen wurde, erst diese Woche im Rechnungshofausschuss als „Schlamassel“. Die Vorgaben an Netzbetreiber zur Umstellung von analogen auf digitale Zähler sind mehrfach angepasst worden. So smart wie gewünscht waren viele Zähler lange Zeit nicht. In den vergangenen Jahren ist aber einiges weitergegangen. Die Ausrollung befindet sich quasi im „Endspurt“.
Stromverbrauch überwachen und steuern
In Finnland, wo der Ausrollungsgrad schon seit 2022 bei 100 Prozent liegt, läuft die Markteinführung der zweiten Zählergeneration. Sie bringt große Verbesserungen bei der Datenübertragung. Informationen über den Stromverbrauch in Haushalten etwa werden mit hoher Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit an Netzbetreiber übertragen und zeitnah an Kunden weitergegeben. Das hilft bei der ressourcenschonenden Regelung des Netzes und der Integration zahlreicher privater Photovoltaikanlagen.
Privatkunden profitieren davon. Sie können ihren Stromverbrauch fast in Echtzeit überwachen und auch selbst steuern. Wer einen dynamischen Tarif mit stündlich wechselnden Strompreisen hat, kann bei manchen Energieversorgern etwa per App darüber entscheiden, zu welchem Zeitpunkt er Verbraucher wie Wärmepumpe oder Elektroboiler aktivieren will.
Finnen gehen in Österreich an den Start
Ein Unternehmen, das geeignete Smart Meter für solche Szenarien herstellt, ist Aidon. Es will auch in Österreich bei der Verbreitung neuer Smart Meter tonangebend sein und hat mit Cancom Austria einen hierzulande sehr erfahrenen Partner gefunden. „Österreich ist eines von wenigen Ländern, das große Möglichkeiten für Smart Meter bietet“, sagt Antti Paajoki, Verkaufsleiter für Nord- und Zentraleuropa bei Aidon. Die anstehende Ausrollung der zweiten Generation von Zählern ist ein Grund dafür, der zweite ist das vor Kurzem eingeführte Elektrizitätswirtschaftsgesetz.
ElWG bietet neue Basis
Durch das ElWG wird die Übertragung von Viertelstundenwerten zum Standard. Bei vielen Stromkunden klappt das bereits jetzt, bei manchen aber nicht. Netzbetreiber werden nun durch das Gesetz dazu verpflichtet. Stromkunden können die automatische Stromablesung im 15-Minuten-Intervall auch weniger leicht ablehnen. Wer eine PV-Anlage, eine Wärmepumpe, eine E-Auto-Ladestation oder einen Batteriespeicher daheim besitzt, kann kein Opt-Out mehr vornehmen. Auch Nutzer von dynamischen Stromtarifen und Mitglieder von Energiegemeinschaften können sich nicht dagegen entscheiden. Das schafft weitgehend einheitliche Bedingungen im Stromnetz.
Erfahrung aus Zeiten als …read more
Source:: Kurier.at – Wirtschaft



