
Heinz Strunk ist bereits fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin da. Er ist neugierig. Das Interview mit dem KURIER ist erst das zweite Gespräch, das er anlässlich seines neuen Romans „Memories of Heidelberg“ führt, etliche weitere werden folgen.
Heinz Strunk: Das ist jetzt auch für mich noch durchaus spannend, um das so zu sagen.
KURIER: Wieso spannend?
Na ja, man kriegt ja dann immer mit, wie Leute das Buch so finden, und bis jetzt weiß ich es noch nicht genau. Damals, beim „Goldenen Handschuh“, war nach dem 30. Gespräch, zumindest von meiner Seite aus, schon klar, welche Sätze im Verlauf der Interviews wann kommen. Das weiß ich jetzt noch nicht.
Sind Journalisten so vorhersehbar?
Ja. Das ist auch nichts Schlimmes, denn die Art der Fragen ergibt sich aus dem Zusammenhang und dem Inhalt des Buches, da kann man ja nicht völlig irre Fragen stellen. Es ist ja auch ganz angenehm, wenn man weiß, welche Frage jetzt kommt. Dann hat man schon eine pointierte Antwort parat.
Okay, dann muss ich mich jetzt noch nicht bemühen, besonders originell zu sein. Ich habe aber ein paar wirklich dringende Fragen. Zuerst einmal beschäftigt mich seit Tagen die Frage: Was sind die acht Sorten Fleisch, von denen Ihr Protagonist Bertram immer träumt?
Das gibt’s bei Rodizio, das ist eine Restaurant-Kette in Norddeutschland. Die haben sich ganz anachronistisch auf Fleischbatzen spezialisiert. Da kommen Leute an den Tisch und schneiden Fleisch an einem Spieß ab. Und das wird als „Acht Sorten Fleisch“ deklariert. Genau kann ich Ihnen das auch nicht sagen, weil ich selber das letzte Mal vor ungefähr 40 Jahren bei Rodizios Steakhaus war. Aber ich habe recherchiert, dass es in Oldenburg eines gibt und habe ich mir mal die Speisekarte angeguckt. Und da stand das mit den acht Sorten Fleisch, möglicherweise ist ja auch Känguru oder so was dabei. Ich fand das als Bild jedenfalls schön für Bertram.
„Essen ist der Sex des Alters.“ Kennen Sie diesen Spruch?
Jaja, wer kennt den nicht.
Frisst der arme Bertram denn so viel, weil er keinen Sex mehr haben darf? Oder ist das ein Ausdruck allgemeiner Verzweiflung?
Das mit dem Sex ist mir zu unterkomplex für den armen Bertram. Da spielen schon eine ganze Reihe von Gründen eine Rolle. Eine allgemeine Melancholie, Zerschlagenheit, tendenzielle Verzweiflung, auch Langeweile. Eine Gemengelage an Gründen, die dazu führen, dass seine ganze sinnliche Leidenschaft Autos und Fleischessen gilt.
Wir erfahren im Buch über ihn, dass er in seiner Jugend an ganz anderen Dingen interessiert war, unter anderem an Literatur. Da gibt es auch den traurigen Satz: „Bücher begeistern einen weniger, wenn man die Jugend hinter sich gelassen hat.“ Sagt das der Bertram oder glauben Sie das auch?
Das glaube ich nicht nur, davon bin ich überzeugt. Das bezieht sich aber nicht nur auf Bücher.
Man wird mit dem Alter generell weniger begeisterungsfähig?
Die Begeisterungsfähigkeit allgemein nimmt ab, und es gibt nur wenige, die das Glück haben, sich das irgendwie zu erhalten. Welche Tricks sie haben, weiß ich nicht. Ich würde die gerne anwenden. Wie man sich denken kann, steckt ja einiges in Bertram von mir. Aber das mit …read more
Source:: Kurier.at – Kultur



