Mozart, halb konzertant in Salzburg: Die Milde des Lucio Silla

Kultur

Der Marmorblock steht schon bereit, aus dem demnächst das Denkmal für Lucio Silla gehauen werden soll, seine Silhouette ist schon aufgemalt. Wofür der römische Diktator aber letztlich berühmt werden soll, das weiß man in Mozarts Oper erst spät: Er übt Gnade dann, wenn alle nur Brutalität erwarten. Ein schönes Lehrstück, das nun bei den Salzburger Festspielen in semikonzertanter Form mit hilfreichen Texteinblendungen, vom Mozarteumorchester unter Adam Fischer famos intoniert, zur Aufführung kam.

Es gibt ja wirklich viel Wand in der Felsenreitschule, und die wird hier witzig genützt: Am Anfang, während des Vorspiels, gibt es eine liebevoll gestaltete Einführung in die Personen und die Handlung, wer wen liebt, wen umbringen will und wer von was nichts weiß. In weißer Schrift wird eine Art Handlungsstammbaum auf die Wand projiziert. Auch während der Aufführung selbst wird nicht nur das Libretto, sondern eine Art inhaltliche Leitplanke auf die Wand geworfen (neben Synapsen, die sich die Wand rauf- und runterschlängeln): „Gefühlschaos“, steht da an entsprechender Stelle, „Freundschaft“, oder „Der Untergang Sillas ist nah“.

Der kommt dann am Schluss doch nicht, auch wenn der Schreibtischtäter (das zweite Requisit neben dem Marmorblock) noch so wild herumtelefoniert. Alles wieder gut, wie schön, und auch der Rest des Nachmittags war beglückend: Giovanni Sala sang die Titelrolle in Sakko und einer Art Stadtcheftrainingshose (wäre das nichts für Wien? Oder Salzburg?) energetisch und glaubhaft. 

Nina Solodovnikova braucht als Giunia ein bisschen, um zu sich zu finden, spätestens in der Abschiedsszene von Revoluzzer Cecilio (durchgängig stark, mit hellem Stimmklang und viel Kraft: Xenia Puskarz Thomas) aber berührt sie immens.

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Vor allem die gemeinsamen Szenen von Cecilio und Cinna (ebenso erfreulich: Martina Russomanno) bringen auch Bewegungsschwung in die Angelegenheit, die Birgit Kajtna-Wönig szenisch eingerichtet hat. Teil davon ist auch der Bachchor Salzburg, der schön singt und am Schluss als Vertriebene, denen Silla die Heimkehr erlaubt, auf die Bühne kommt. Zu recht große Begeisterung, hier war weniger einmal wirklich mehr.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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