Nach Ansturm in Ceuta: Über welche Exklaven Migranten hoffen, nach Europa zu kommen

Politik

Mittlerweile hat die große Mehrheit der geschätzt 50.000 irregulären Migranten, die in der Vorwoche in Ceuta ankamen, die spanische Exklave wieder verlassen. Marokko macht Falschinformationen in den sozialen Medien für den massiven Ansturm von Migranten verantwortlich. Zudem sei ein Urteil eines spanischen Gerichts, wonach die sofortige Rückführung von auf See abgefangenen Migranten nicht möglich sei, falsch interpretiert worden, teilte das marokkanische Innenministerium mit.

Doch während das  ganze Bündel möglicher Gründe erst analysiert wird, kann schon jetzt als sicher gelten: Der Ansturm auf Ceuta, ebenso wie auf die andere spanische Exklave Melilla, wird nicht der letzte gewesen sein. Bis zu zehn Meter hohe, mit Stacheldraht bewehrte Grenzzäune der beiden, von Marokko umschlossenen Exklaven können Migrantenwellen nicht aufhalten, wenn sie groß und zahlreich genug sind.

Immer wieder gab es Massenanstürme von Migranten auf die Exklaven, etwa in den Jahren 2005, 2014, 2015, 2016, 2017 und 2019. Die Flüchtenden versuchten, die Grenzzäune zu überwinden oder durch das Mittelmeer zu schwimmen, wobei immer wieder Dutzende Todesfälle zu beklagen waren.

„Strafmaßnahmen für Spanien“

Auch 2021 stellten mehrere Tausend Migranten die Stadt Ceuta fast vor einen Infarkt, als Marokko kurzfristig die Grenzen öffnete. Es war die „Strafmaßnahme“ für Spanien, das einen Politiker der (von Marokko beanspruchten) Westsahara in Madrid medizinisch behandelt hatte. Und auch dieses Mal war es – wohl auch – das bewusste Wegschauen oder sogar Öffnen der Tore – von Marokko, das den Ansturm auf Ceuta zumindest begünstigte.

Spanien hat die Grenzen seiner beiden Exklaven in Nordafrika verstärkt, in Notfällen werden Armee und Sonderpolizei geschickt – letztlich bleiben die spanischen Grenzen ohne die Kooperation Marokkos verwundbar. Die Führung in Rabat lässt dies den Nachbarn jenseits des Meeres immer wieder spüren, indem es mal mehr, mal keine Migranten zurückhält. 

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Je nachdem, ob Spaniens Politik Marokko verärgert. Meist geht es dabei um das Territorium der Westsahara – das beansprucht Marokko für sich. Jede Annäherung Spaniens an die Westsahara wurde bisher von Rabat mit „Strafe per Flüchtlinge“ geahndet.

Die alten Eroberungen 

Die beiden Exklaven in Nordafrika aufzugeben – und damit auch weniger erpressbar zu sein, ist für Madrid keine Option: Im 15. Jahrhundert nahmen Spanier und Portugiesen die Städte im Kontext der Reconquista ein – der Rückeroberung der iberischen Halbinsel; christliche Heere drängten arabische und muslimische Herrscher im Laufe mehrerer Jahrhunderte zurück. Ceuta und Melilla dienten als christliche Vorposten in Nordafrika.

Ceuta wurde im Jahr 1415 von den Portugiesen erobert. Mit der Annexion Portugals übernahmen die Spanier 1580 die Herrschaft über die Stadt. Auch als Portugal 1640 die Unabhängigkeit zurückerlangte, blieb Ceuta spanisch. Das 225 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla wurde 1497 von der Krone von Kastilien erobert – einem Vorläufer des Königreichs Spanien.

Nicht Teil des Schengen-Systems

Migranten, die es nach Ceuta oder Melilla schaffen, haben dennoch keinen automatischen Zugang zur EU. Die beiden spanischen Exklaven sind nicht Teil des Schengen-Systems. Ohne gesonderte Identitätsprüfung kann niemand von Ceuta oder Melilla auf das spanische Festland. Auch jene Marokkaner, die es in den vergangenen Tagen nach Ceuta geschafft haben, werden nicht in Spanien um Asyl ansuchen können.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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