
Erst vergangene Woche wurde bekannt, dass in den Ö1-Journalen die Kulturberichterstattung aus Spargründen schrumpfen wird. Auch im größeren Zusammenhang, so hört man, werden die Produktionskosten für Kultur im ORF heruntergefahren. Ein spannender Zeitpunkt also für die Diskussion im ORF-Dialogforum, die die Frage stellte: „Was kann Kultur?“
Spoiler: Die Sparmaßnahmen waren kein Thema im Gespräch mit Schriftstellerin Gertraud Klemm, Künstlerin Lelonilla Biba Lolay, Festwochen-Intendant Milo Rau, Bea Robein von Arts for Health Austria und Siegfried Steinlechner von der ORF-Kultur, moderiert von Klaus Unterberger. Auch wenn erwähnt wurde, dass der ORF jährlich 120 Millionen Euro in sein Kulturprogramm investiert.
Immer wieder Thiel
Stattdessen ging es erst einmal wieder ausführlich um Peter Thiel und Milo Raus Ein- beziehungsweise Ausladung des apokalyptischen Tech-Milliardärs. Die meisten Podiumsteilnehmer konnten sich nicht entscheiden, ob sie einen ernsthaften Diskurs mit Thiel gutgeheißen hätten oder ob man Technokraten wie ihm nicht noch mehr Plattform geben sollte. Maurice Pfaffenberger, Lehrling bei Spar und als Gesandter des „Jugenddialogforums“ eingeladen, fand deutliche Worte: „Wem nützt es, einen antidemokratischen Menschen zu einer demokratischen Veranstaltung einzuladen? Der wird seine Meinung nicht mehr ändern.“ Einig war sich das Podium darin, dass es Aufgabe von Kunst und Kultur sei, gegen Fanatismus und Demokratiefeindlichkeit aller Couleurs anzutreten. Rau hält es für falsch und „gefährlich, sich im Kunstraum zu verkriechen“.
Breiterer Kulturbegriff
Gertraud Klemm wünscht sich vom ORF einen breiteren Kulturbegriff, „weniger männlich, weniger weiß, weniger eurozentristisch“. Gleichzeitig gab sie – selbst einmal von einem Shitstorm betroffen – zu bedenken, dass man es auch riskant finden kann, kulturpolitisch meinungsbildend tätig zu sein. Bea Robein wiederum hält Kunst und Kultur für „kritische Infrastruktur“, nicht zuletzt, weil sie auch konkrete gesundheitliche Auswirkungen hat – etwa Tanztherapie bei Demenzpatienten.
Auch die Frage, wie Kultur und der ORF ein junges Publikum abholen können, wurde diskutiert. Steinlechner will es nicht nur auf anderen Plattformen „einsammeln“, sondern auch den Dialog suchen. Lolay, ebenfalls aus dem „Jugenddialogforum“, gab dazu zu bedenken, die Jugend wolle gar nicht unbedingt, dass alles ins Digitale verlegt wird, „wir sollten eher versuchen, uns das wieder abzugewöhnen“.
Die Diskussion ist am 29. 6. um 13 Uhr auf ORF III zu sehen.
Source:: Kurier.at – Kultur



