
Es war Ende Mai einer der angenehmeren Termine für ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher: Bei der Präsentation der diesjährigen sommerlichen ORF-Kulturübertragungen im Wiener Künstlerhaus sagte sie: „Nach dem erfolgreichen Song Contest heißt es jetzt Bühne frei für den ORF-Kultursommer.“ Rund 500 Stunden Programm biete man wieder in allen Kanälen, „erste Reihe fußfrei“, und beweise damit „die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als unverzichtbarer medialer Partner der heimischen Kunst- und Kulturszene“.
Vertreter dieser Szene waren erneut zahlreich erschienen, um die einzelnen Programmpunkte zwischen Neusiedler See und Bodensee (siehe Infobox unten) zu präsentieren. Rudolf Buchbinder sprach über seine letzte Saison als Intendant des Festivals Grafenegg. Beim Auftakt am 29. Mai, der auch der frühe Startschuss für den Kultursommer war, wurde der neue Rudolf-Buchbinder-Saal eingeweiht.
Große Namen
Bregenz-Intendantin Lilli Paasikivi betonte die Wichtigkeit großer Namen für das „Spiel auf dem See“. Schließlich müssten in zwei Spielzeiten mehr als 400.000 Karten verkauft werden. Die Entscheidung für „La traviata“ sei „eine schöne und ganz leichte“ gewesen. Für Damiano Michieletto sei der Verdi-Klassiker zudem ein Regie-Debüt.
ORF-III-Moderatorin Ani Gülgün-Mayr begrüßte die Intendantin der Salzburger Festspiele, Karin Bergmann, als „heute schon zweite Frau, die eine Institution rettet“. Damit spielte sie darauf an, dass Bergmann interimistisch auf die krisenhaft geendete Intendanz von Markus Hinterhäuser gefolgt ist – was in ähnlicher Weise auf Thurnher im ORF zutrifft. Bergmann meinte, sie betrachte sich als „Brückenbauerin“, „weil ich für einen recht überschaubaren Zeitrahmen verantwortlich bin. Für den heurigen Sommer habe ich eine wunderbare Planung vorgefunden.“ Für 2027 plane sie „schon intensiv“ und hoffe, nicht nur in der Theorie „eine Partnerin oder einen Partner an der Seite zu haben“. Auch die zwei zentralen Neuinszenierungen, die der ORF heuer überträgt – Bizets „Carmen“ und Strauss’ „Ariadne auf Naxos“ – seien Regiedebüts.
Der Vorstand der Wiener Philharmoniker Daniel Froschauer beschrieb die 100 Jahre währende Zusammenarbeit mit Salzburg als „schöne und gut funktionierende Ehe“. Froschauer hob die Produktion „Saint François d’Assise“ in der Felsenreitschule hervor. Das Werk von Olivier Messiaen – hier in der Regie von Romeo Castellucci – würde „wohl jeder Intendant gerne machen“, sagte Froschauer. Das trifft auch auf Bogdan Roščić zu. Der Staatsoperndirektor sagte, man habe davon Abstand nehmen müssen, weil es aus bühnentechnischen Gründen nicht möglich gewesen sei. Allein das Schlagwerk der gigantischen Orchesterbesetzung benötige 35 Quadratmeter Platz, sagte Froschauer.
Etwas launig sagte Roščić dann: „Der größte Beitrag der Wiener Staatsoper für den Kultursommer ist, dass wir im Juli und August zusperren.“ Damit meinte er den personellen Beitrag für die Salzburger Festspiele aus Staatsopernorchester und -chor.
Großes Finale
Grund für seine Anwesenheit war freilich die zweite Ausgabe des „Opern Airs“ im Burggarten – mit Weltstars wie Asmik Grigorian, Piotr Beczała, Juan Diego Flórez und Ludovic Tézier –, das über ORF, Arte etc. ein Millionenpublikum erreiche. Er sehe es nicht nur als Eröffnung der Staatsopernsaison, sondern auch als „Finale des Kultursommers“: „Schauen wir mal, wie lange das noch stattfinden kann“, meinte Roščić mit Blick auf kulturelle Einsparungsziele der Bundesregierung – auch für den ORF.
Source:: Kurier.at – Kultur



