Pride-„Fledermaus“ in der Volksoper: Rise Like A Frosch

Kultur

Der Prinz Orlofsky hat einen besonderen Gast: Den Luziwuzi. Also eigentlich Conchita. Im Endeffekt Tom Neuwirth. Es ist nämlich auch ein besonderer Silvester-Ball im Juni: Die tief in die österreichische DNA eingeschriebene „Fledermaus“ gibt es nun in der Volksoper in einer Pride-Edition. Und das ist auch gut so.

Es ist nicht „ja, eh“

Die Volksoper ist das ganze Jahr über pink, sagt Direktorin Lotte de Beer zum Auftakt; und so sehr man sich auch denken mag, ja eh, es ist ganz und gar nicht „ja eh“. Immerhin führt die stimmenstärkste Partei des Landes einen Feldzug gegen den Regenbogen (der KURIER berichtete), und schaut man sich die Umfragen an, holt deren antiqueerte Stichelei immer mehr Menschen ab. Man tanzt also noch nicht auf einem Vulkan wie einst in den 1920ern, aber kühler wird der Boden auch nicht gerade.

Dazu müsste man sagen: „Es gibt nur zwei Geschlechter“ kann nur mit ernster Miene sagen, wer noch nie im Theater oder in der Oper war, oder dort zumindest nicht aufgepasst hat. Denn, da ändert auch die Durchverspießerung des Genres in der Nachkriegszeit nichts: Gerade die Operette war noch nie eine reine Hetero-Angelegenheit (von der Oper ganz zu schweigen). Und so passt der queere Dreh, den Jürgen Bauer und Moritz Franz Beichl dem Strauß’schen „Fledermaus“-Libretto für die Pride-Ausgabe geben, fugenlos. 

Geschlechter-Schengen

Also: Der Eisenstein muss in Häfn (es wird viel Wienerisch geredet) wegen etwas, das an einem öffentlichen Klo passiert ist, und zwar nicht allein, und jetzt auch nicht mit der Angetrauten. Wer auf Manderl oder Weiberl steht, das ist in Folge ein bisserl egal, man spielt Geschlechter-Schengen, die Grenzen sind offen, alles fließt. 

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Rosalinde verführt den Eisenstein diesmal als ungarischer Prinz, ohne -essin. Orlofsky trägt zur Sicherheit Schnurrbart, ist aber eventuell auch nicht nahtlos ins FPÖ-Schema einzufügen, Ida ist die „Schwester“ von Adele unter Anführungszeichen. Und das ganze Theater hat seinen Ursprung darin, dass Dr. Falke in Eisenstein unglücklich verliebt war. Man wird nackt geboren, der Rest ist Drag.

Es ist ein Spiel im Spiel mit dem österreichischsten aller Spiele. Denn dass man hierzulande gern ein bisschen „schlampig“ ist, kriegt in diesem Kontext auch wieder eine andere Bedeutung. Und in der sexuell freien Welt des Orlofsky wird niemand zu etwas gezwungen, außer – wie ergänzt wird, weil der Mann in Lederkluft an der Leine traurig schaut – man will es.

Er gehört zu mir

Das alles liefert auch darüber hinaus schöne,sympathische Pointengelegenheiten. Aber so viele, dass es – mit Neuwirths „I Am What I am“-Zugabe – fast dreieinhalb Stunden dauern muss, auch wieder nicht, ein bisschen Raffung (oder eine Pause weniger) hätte dem Abend gut getan. 

Tom Neuwirth, Gaststar des Abends, tritt zuerst als Conchita, die den Frosch spielt, der eine kolumbianische Prinzessin spielt, auf; im dritten Akt dann singt dieser Frosch einen Marianne-Rosenberg-Schlager namens „Er gehört zu mir“, dessen Motto im Publikum breite Zustimmung erfährt. Sonst fehlen da ein wenig die bissigen, auch politischen Pointen, die bei der Gerichtsdiener-B’suff bei dieser Gelegenheit gerne abliefert, ein wenig. Neuwirth könnte diesen brav lustigen Frosch auch in jeder Nicht-Pride-Inszenierung geben.

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Source:: Kurier.at – Kultur

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