Rudolf Buchbinder über „seinen“ Saal: „Das ist einzigartig“

Kultur

Ein Konzertsaal, der den eigenen Namen trägt? Das erhält man gewöhnlich nur auf zwei Arten: Indem man viel Geld zahlt, um den Saal als Sponsor nach sich benennen zu können. Oder durch Ableben.

Bei Rudolf Buchbinder ist das anders: Am Freitag wurde in Grafenegg der Rudolf-Buchbinder-Saal eröffnet. „Ich glaube, das ist einzigartig. Es ist sehr schwer zu begreifen! Ich muss ehrlich sagen, ich bin voller Demut und Rührung“, sagt der Ausnahmepianist im KURIER-Gespräch.

Der neue Konzertsaal, nach dem Entwurf der Architekten Maurer & Partner (Hollabrunn) umgesetzt, befindet sich in der frisch renovierten Reithalle – und spielt alle Stückerln: Der Raum ist mit modernster Veranstaltungstechnik ausgestattet und bietet Platz für etwa 500 Personen auf zwei Ebenen.

Frisch renoviert

Auch rundherum wurde neu gestaltet und renoviert; das Foyer im Erdgeschoß öffnet sich nun etwa ebenerdig zum Park. Die Ehrung kommt zu einem großen Jubiläum: 20 Jahre lang war Buchbinder künstlerischer Leiter in Grafenegg, nach dieser Saison gibt er diese ab und wird zum Präsidenten.

Eine lange gemeinsame Geschichte, die noch viel früher anfing als das renommierte Festival, das Buchbinder so prägen sollte: „Am 1. September 1985 habe ich zum ersten Mal in der Reitschule gespielt“, sagt Buchbinder, Beethoven mit dem Tonkünstlerorchester.

Unter seiner Ägide entstand dann in Grafenegg Höchstkarätiges: Zum Festival kommen längst die wichtigsten Orchester und Solisten. Das war, sagt Buchbinder, keineswegs abzusehen: Am Anfang war es „natürlich schwer“, erzählt er, denn die Starsolisten fragten: „Wer hat schon gespielt in Grafenegg? Ich sagte: ,Niemand, du bist der Erste‘“, so der Pianist mit einem Lachen. „Und sie sind trotzdem alle gekommen.“

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Gutes Timing

Geholfen hat auch das Timing: Das Festival wurde etabliert in einer Zeit, als Niederösterreich in der Transformation weg vom Agrarland stark auf Kultur setzte. „Die Theaterlandschaft in Niederösterreich hat inzwischen für jeden Geschmack etwas, und das finde ich fantastisch“, sagt Buchbinder. „Die Museumslandschaft ist auch fantastisch – und natürlich Grafenegg.“

Doch allein seit Baubeginn des Buchbinder-Saals 2024 hat sich die (finanzielle) Welt stark verändert. „Ich glaube, dass in der heutigen Zeit ein Rudolf-Buchbinder-Saal nicht mehr möglich sein würde“, sagt auch der Namenspatron.

Wie sehr betrifft das die Klassikbranche? Sehr, schildert Buchbinder. Die Kosten, um Instrumente zu transportieren, haben sich verdreifacht, Orchestertourneen sind dementsprechend schwieriger zu finanzieren. Was würde da helfen? „Ich finde, man sollte in Österreich das private Sponsorentum wesentlich mehr forcieren. Und es endlich, so wie in Amerika, vollkommen steuerfrei machen, damit die Lust am Sponsoring wieder anwachsen könnte.“

Kein Problem

Wie wird er in Grafenegg weiter präsent sein? „Ich stehe immer wieder für Rat und Tat zur Verfügung“, sagt er in Hinblick auf seinen Nachfolger, den Kulturmanager Johannes Neubert (ehemals Intendant der Wiener Symphoniker, künstlerischer Leiter der Tonkünstler und beim Orchestre National de France/Radio France.

Wie wird die Zusammenarbeit? „Ich glaube, es sollte kein Problem sein“, sagt Buchbinder. Und natürlich bleibt er als Pianist präsent: Konzerte 2027 sind etwa bereits fixiert.

Aber das 20-Jahr-Jubiläum in Grafenegg ist nicht die einzige runde Feier für den Pianisten heuer: Am 1. Dezember wird er 80 Jahre alt. Buchbinder feiert, wie man das erwarten würde: mit einer Tournee mit Christian Thielemann, sowie – direkt am …read more

Source:: Kurier.at – Kultur

      

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