Kaup-Hasler kritisiert Milo Rau: Kunst soll im Zentrum stehen, „nicht der Intendant“

Kultur

Die Einladung des Problemmilliardärs Peter Thiel wird für Milo Rau zum Debattenwaterloo. Nicht nur kam teils scharfe Kritik auch aus den Reihen jener, die genau zu der Publikumsbubble gehören, die der Schweizer mit seinem Programm und dem umgebenden Polit- und Prozesstheater ansprechen will.

Sondern auch von einer, die bisher eisern zu Rau gestanden ist: Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) kritisiert Rau im KURIER-Gespräch ungewöhnlich deutlich. „Es gebietet, wieder und in Zukunft das Maß zu finden, wo die Kunst im Zentrum steht – und nicht der Intendant“, sagt Kaup-Hasler mit Blick auf den Festwochenchef.

„Verstörend“

Sie findet die Einladung von Thiel „entbehrlich“: Dieser „gilt als Technofaschist, er gehört zu den mächtigsten und einflussreichsten Männern dieser Welt. Es gibt zudem diese verstörende spirituelle Komponente, mit der er seine Ambitionen verknüpft“, sagt die Kulturstadträtin.

Sie frage sich, „wie es Rau gelingen kann, die Skeptiker und Kritiker, die es zurecht gibt, davon zu überzeugen, dass es einen Erkenntniswert geben kann, der einem Kulturfestival entspricht. Ich finde es ein bisschen schade, dass all das, was man bisher bei den Festwochen gesehen hat beziehungsweise noch sehen wird, von dieser Thiel-Debatte überschattet wird.“

Hat sich Raus Konzept, mit Provokation Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, nicht schon totgelaufen? „Er ist als Intendant damit angetreten, Debatten anzustoßen“, sagt Kaup-Hasler. „Und er hat, das muss man sagen, sein Publikum gefunden. Die Auslastung betrug im ersten Jahr rund 96 Prozent. Es gab wunderbare Produktionen, die ich erleben durfte. Aber in der Tat: Viele Produktionen werden von Raus Lust, politische Debatten zu führen und sich zum Sprecher zu machen, überlagert.“

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Ihre Reaktion? „Da muss man sagen, auch wenn ich nicht interveniere: Schütze bitte das Eigentliche, nämlich die Festwochen, in ihrer unglaublichen Strahlkraft! Die Künstlerinnen und Künstler, die nach Wien kommen, verdienen ungeteilte Aufmerksamkeit!“

Die saugt Thiel derzeit ab: Der Milliardär gilt als Ideologe einer international vernetzten, ultrakonservativen, christlichen Rechten mit stark apokalyptischen Bezügen. Er ist scharfer Kritiker von internationalen Organisationen wie der UNO und der EU, lehnt Klimaschutzgesetze und das Frauenwahlrecht ab und hält weltweit Vorträge über seine Gedanken zum Antichristen.

Ob Thiel wirklich auftreten wird, das wollten die Festwochen nach einer entsprechenden öffentlichen Debatte am Freitag dann am Samstag entscheiden. Geplant ist ein Gespräch mit Rau und einem Theologen am 7. Juni im Hotel Intercontinental.

„Richtiges Format“

Kaup-Hasler betont: „Wenn man ihn unbedingt bei den Festwochen haben will, dann braucht es das richtige Format dafür. Ich erinnere mich zum Beispiel an Milo Raus Corona-Prozess vor zwei Jahren: Da gab es unterschiedliche Positionen, man hat sich Zeit genommen und Fragen erörtert. In diesem Fall ist es offensichtlich anders.“ Hat Rau das Vertrauen der Kulturstadträtin verspielt? „Natürlich genießt er mein Vertrauen“, sagt Kaup-Hasler. „Aber ich nutze meine Handlungsmöglichkeiten: Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass es um die Kunst gehen muss, auch wenn es mitunter Programmpunkte gibt, die nicht dem Auftrag der Festwochen entsprechen, aber bereichernd sind.“

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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