Salzburger Festspiele: Lieder der Schwermut zum Auftakt

Kultur

Auf den ersten Blick ist alles wie in den vergangenen Jahren auch. Anerkennende Blicke richten sich auf Markus Hinterhäuser, als er vor der Kollegienkirche zum Eröffnungskonzert der „Ouverture spirituelle“ eintrifft. Das Publikum zeigt, dass es den Mann schätzt, der in den zehn Jahren seiner Intendanz das Besondere bei den Salzburger Festspielen ermöglicht hat.

Dass er im März jäh seinen Posten räumen musste, wollen viele im Publikum noch immer nicht wahrhaben. Und dass ausgerechnet in diesem Sommer die mit „Miserere“ betitelte „Ouverture spirituelle“, mit György Kurtágs Opus 18, „Lieder der Schwermut und der Trauer“ anhebt, klingt nach bitterer Ironie des Schicksals. Eigentlich sind sie Teil der Hommage an diesen zentralen Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts, der heuer im Februar hundert geworden ist.

Abschied vom Leben

Den Liederzyklus kombinierte Dirigent Teodor Currentzis mit dem „Miserere“ des 90-jährigen Arvo Pärt. Außer dem hohen Alter der beiden bedeutendsten lebenden Komponisten verbindet diese Chorwerke nichts. In Kurtágs Gedichtvertonungen von Michail Lermontow, Alexander Blok, Sergej Jessenin, Ossip Mandelstam und Marina Zwetajewa geht es um Verlust, um den Abschied von der Jugend und vom Leben.

Dieser ungarische Meister der kleinen Form fasste die Verse verstörend in seine Musik. Die Stimmen treten in Dialog mit den Klängen dieser besonderen Instrumentierung von Harmonium, Bajan (die osteuropäische Ausgabe der Knopfharmonika), Blechbläser, Harfen, Pauken und Streichern. Gesungen wird auf Russisch. Man muss die Sprache nicht verstehen, denn der Chor drückt Emotionen deutlich aus, dessen Leistung ist gigantisch. Vom Flüstern bis zu kontrollierten, jähen Ausbrüchen ist alles drin.

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Brennende Kerzen

Verstörend intonieren die Sängerinnen und Sänger Arvo Pärts „Miserere“. Wie Rufe eines in einer wilden Ödnis Verlorenen hebt eine Tenorstimme an. Exzessiv zelebriert Currentzis die von E-Gitarre und E-Bass generierten litaneiartigen, hypnotisierenden Rhythmen. Am Ende zieht der Chor mit brennenden Kerzen in der Hand aus der Kirche und intoniert ein Mariengebet aus dem 3. Jahrhundert. So etwas kennt man von Currentzis’ Konzerten. In herkömmlichen Sälen mutete das oft wie eine Show an, hier markierte es das Ende eines denkwürdigen Abends.

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Source:: Kurier.at – Kultur

      

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