40 Experten klagen an: „Tegnell hat Schweden betrogen“

Politik

Wissenschafter werfen der Regierung und dem Chefepidemiologen falsche Strategie, geschönte Zahlen und vor allem Sturheit vor

Kein gutes Haar am schwedischen Weg zur Corona-Bekämpfung lässt eine Gruppe von 40 Wissenschaftern, die sich als Opposition zur nationalen Gesundheitsagentur etabliert hat. Lena Einhorn, selbst Ärztin und Buchautorin, möchte sich für das Gespräch nur im Freien treffen und zählt die Fehler Tegnells detailliert auf.

„Angefangen hat es mit der Fehlannahme, dass das Virus so wie bei SARS nur dann übertragbar ist, wenn man Symptome hat“, so Einhorn. Schon einen guten Monat nach Ausbruch der Pandemie hatten sich etliche Wissenschafter an die schwedische Regierung gewandt und sie gebeten, nicht mehr nur auf Tegnell zu hören. „Doch Premierminister Löfven vertraute ihm. Und Tegnell, der von Beginn an falsch gelegen war, wurde zur Verteidigung seiner falschen Strategie immer sturer“, sagt Einhorn, die mit Ärzten, Virologen, Pandemie- und Impfexperten Hunderte Artikel veröffentlicht hat. „Er konnte seine Fehler nicht zugeben, und auch die Regierung traute sich das nicht.“ Hier fährt Einhorn schwere Geschütze gegen Tegnell auf. Die Zahlen der Toten wurden zu Beginn wochenlang nicht präsentiert. Die Dunkelziffer sei aufgrund der geringen Tests viel höher. Schweden hat hochgerechnet nur rund ein Zehntel der Tests in Österreich durchgeführt. „Er hat die schwedische Bevölkerung betrogen. Und die Regierung hätte ihm nie diese Macht geben dürfen.“

Doch auch die Medien in Schweden stützten Tegnells Weg: „Er ist rhetorisch unglaublich versiert. Er hat täglich eine Pressekonferenz im TV gegeben, und als die kritischen Fragen kamen, haben die Fernsehstationen die Übertragung einfach abgebrochen.“ Auch dass sich Tegnell nicht Diskussionen mit Andersdenkenden in der Öffentlichkeit stellt, sorgt für große Verärgerung.

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Rasch die Jungen impfen

Aktuell kritisiert Einhorn die Zurückhaltung Tegnells bei der Impfung von jungen Menschen. Die 12- bis 15-Jährigen werden in Schweden immer noch nicht geimpft. „Bei den über 15-Jährigen hat man im Juni dieses Jahres beschlossen, dass sie geimpft werden sollen, dann aber

mit der Impfung erst Mitte August begonnen, nur wenige Wochen vor Schulbeginn. Dabei wäre es doch so wichtig gewesen, dass man jeden Tag nutzt, damit die Schulkinder einen Schutz aufbauen“, kritisiert Einhorn.

Wie sieht sie den weiteren Verlauf der Pandemie? „Wir brauchen dringend die dritte Impfung als Booster, das erhöht den Schutz vor der Delta-Variante auf mehr als 90 Prozent. Aber wir werden mit dem Virus leben lernen müssen.“ Einhorn glaubt, dass es eine jährliche Auffrischungsimpfung geben muss.

Am 29. September möchte Schweden, so wie Dänemark, alle Corona-Restriktionen aufheben. Einhorn sieht hier einen Wettlauf zwischen dem Impffortschritt und der Delta-Variante. Immerhin sind in Schweden bereits mehr

als 70 Prozent jener Menschen, die geimpft werden dürfen, vollimmunisiert, weitere 10 Prozent haben die erste Teilimpfung erhalten. Auch ein Grund dafür: Alle Parteien des Landes – selbst die rechten Schweden-Demokraten – sprechen sich klar für die Impfung aus.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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