
Es war eine schwere Geburt, aber sie ist gelungen. Ralf Rangnick bleibt offiziell Teamchef. Der 67-Jährige hat seinen Vertrag mit dem ÖFB um zwei weitere Jahre verlängert. Die EM 2028 in Großbritannien und Irland soll die dritte Endrunden-Teilnahme mit dem Deutschen werden. So weit, so erfreulich, wird sich der Großteil der österreichischen Fußballfans denken.
Wie es dazu kam und was es dazu alles gebraucht hat, ist eine andere Sache und war in einigen Phasen nichts für schwache Nerven.
Erste Gespräche im Dezember
Alles begann am 5. Dezember: Im Rahmen der Reise zur WM-Auslosung nach Washington D.C. erfolgte das erste Gespräch über eine weitere Zusammenarbeit nach der WM zwischen dem Teamchef und Josef Pröll, dem Aufsichtsratsvorsitzenden des ÖFB. Und das, nachdem der Verband erst kurz zuvor eine Strukturreform beschlossen hatte, durch die das Ehrenamt in den Hintergrund rücken und sich repräsentativen Aufgaben widmen sollte.
Das Amtsverständnis von Josef Pröll ist ein anderes. Der oberste ehrenamtliche Funktionär hat die Personalie Rangnick zur Chefsache erklärt. Peter Schöttel, auf dem Papier immerhin Sportdirektor, wird zwar gut bezahlt, um sportliche Entscheidungen zu treffen, wurde in dieser Angelegenheit aber zum Passagier.
Die Logik dahinter
Vielleicht brauchte es in dieser Sache aber auch gar nicht so viel Fußball-Expertise. Ralf Rangnick, der Österreich erstmals seit 28 Jahren zu einer Weltmeisterschaft geführt hat, lässt das Team angriffig spielen. Das sorgt für volle Stadien und für Einnahmen in Millionenhöhe. Österreichs Fußballer geben in regelmäßigen Abständen öffentlich Liebeserklärungen in Richtung ihres Trainers ab.
Die Logik: Einen Teamchef, der erfolgreich ist, Geld bringt und den die Kicker mögen, muss man auch halten.
Allerdings: Rangnick wäre schlecht beraten, würde er sich all das nicht entsprechend vergüten lassen. Zwar gab es für die erfolgreiche EM-Qualifikation 2024 eine Prämie, das Gehalt blieb aber gleich. Konkret heißt das: Der Deutsche verdient beim ÖFB eine Million Euro brutto pro Jahr und damit so viel wie sein Vorgänger Franco Foda – und wohl deutlich weniger als viele europäische Amtskollegen.
Dass es ohne Gehaltserhöhung nicht gehen wird, war also klar. Oder nicht?
Nein. „Wenn er es zu den gleichen finanziellen Bedingungen macht, wird es klar sein“, meinte Niederösterreichs Verbandspräsident Hans Gartner im Jänner. „Sonst wird es schwierig.“
Der Gang zu den Sponsoren
Schwieriger wurde es nur für Josef Pröll. Der ÖFB-Boss hatte das Thema kurz zuvor in der Aufsichtsratssitzung angesprochen und ebendies kurz darauf bereut. Eben wegen dieser Wortmeldungen.
Die Folge: Die Personalie Rangnick wurde umso mehr zu einem Alleingang Prölls – zumindest, was ÖFB-Gremien betrifft. Der frühere Vizekanzler spielte von nun an den Doppelpass mit vier Sponsorenvertretern. Fakt ist: Die Erfolge der Ära Rangnick zahlen sich auch für sie aus.
Raiffeisen, ImmoUnited, Uniqa und Sporteo haben das recht schnell erkannt und machen Geld für den Teamchef flüssig.
Aus einer Million Euro Gehalt werden zwei. Der ÖFB hat nicht mehr Kosten, weil sich die vier Partner die zweite Million aufteilen. Rangnick verdient also künftig um 100 Prozent mehr. Zu viel? Gleich viel hat Marcel Koller am Ende beim ÖFB gecasht.
Die nächste Hürde
Eine große Hürde war damit im März genommen. Die einzige war es nicht. Denn wichtig sind dem Teamchef auch die Rahmenbedingungen. Soll heißen: …read more
Source:: Kurier.at – Sport



