Drogenkrieg: Mexikanische Politiker im Visier der US-Justiz

Politik

Audias Flores Silva trägt Spitznamen, die wenig Zweifel an seinem Ruf lassen. „Mata Jefes“, also „Boss-Töter“, wird der berüchtigte mexikanische Drogenbaron unter anderem genannt. Oder „El Jardinero“, „der Gärtner“ – weil er so viele Menschen ermordet und „zu Dünger gemacht“ haben soll, „dass jeder Ort, den er betritt, sein Garten ist“, wie die mexikanische Zeitung El Milenio schreibt.

Diese Woche wurde Flores Silva im Pazifik-Bundesstaat Nayarit von mexikanischen Spezialkräften festgenommen. Gegen ihn lag in seiner Heimat ein Haftbefehl vor, die USA hatten fünf Millionen Dollar Belohnung auf ihn ausgesetzt. Die Operation, die 19 Monate vorbereitet worden war und mehr als 500 Einsatzkräfte involvierte, war der nächste große Schlag gegen das Jalisco Nueva Generación (CJNG), Mexikos mächtigste und brutalste kriminelle Organisation, tief verstrickt in Drogenschmuggel und Schutzgelderpressung. Nach dem Tod von „El Mencho“ im vergangenen Februar wurde „El Jardinero“ als möglicher Nachfolger gehandelt.

Druck der USA

Experten zufolge führt die „Kingpin-Strategie“, also die Ausschaltung einzelner Kartellführer, zwar eher zur Fragmentierung krimineller Gruppen und mehr Gewalt (der mexikanische Drogenkrieg hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten bereits mehr als 400.000 Menschenleben gefordert; rund 133.000 Menschen gelten als vermisst). Für Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sind solche Bilder dennoch entscheidend. Sie steht unter massivem Druck aus Washington, sichtbare Erfolge im Kampf gegen die Drogengewalt zu liefern. US-Präsident Donald Trump droht dem südlichen Nachbarland andernfalls regelmäßig mit Zöllen oder sogar einseitigen militärischen Schlägen.

Für Mexiko ist das ein äußerst sensibles Thema. Sheinbaum betont zwar stets, die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den USA zu begrüßen. Diese hat auch mehr als 100 Jahre Tradition, wie der mexikanische Politologe Carlos Pérez Ricart gegenüber dem KURIER betont. „Keiner der beiden kann auf den anderen verzichten, ohne erhebliche Kosten in Kauf zu nehmen.“ Ein direkter US-Eingriff auf mexikanischem Boden ist für Sheinbaum aber ein No-Go.

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Spannungen

Umso größer war die Aufregung, als vergangene Woche bekannt wurde, dass zwei CIA-Agenten ohne Erlaubnis an einer Drogenrazzia in den Bergen Chihuahuas teilgenommen hatten. Sheinbaum soll darüber nicht informiert gewesen sein. Sie ordnete Ermittlungen an. Der bislang schwerste Schlag für das Verhältnis Washington/Mexiko-Stadt folgte dann aber am Mittwoch: Das US-Justizministerium erhob Anklage gegen den Gouverneur des nördlichen Bundesstaates Sinaloa, Rubén Rocha Moya, und neun weitere mexikanische Amtsträger. Sie sollen dem berüchtigten Sinaloa-Kartell beim Drogenschmuggel in die USA geholfen haben. Rocha und die mexikanische Regierung weisen die Anschuldigungen zurück.

Sheinbaum bringt das in eine heikle Lage: Entweder sie stellt sich gegen Rocha Moya, einen Parteifreund, und riskiert Spannungen innerhalb ihrer Morena-Partei. Oder sie bietet Trump die Stirn – zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Nicht nur sind die USA und Mexiko (mit Kanada) Austragungsort der bevorstehenden Fußball-WM. Die Länder verhandeln auch ein trilaterales Handelsabkommen.

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Source:: Kurier.at – Politik

      

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