Eskalation bei Protesten: Indiens „Kakerlaken“ bringen Modi in Bedrängnis

Politik

Jantar Mantar in Neu-Delhi war eigentlich für seine große Sternwarte aus dem 18. Jahrhundert bekannt. Heute ist der Platz im Herzen der indischen Hauptstadt zum Zentrum einer gewaltigen Protestbewegung geworden: Seit Juni sitzen dort Tausende junge Inder im Dauerstreik.

Aufgerufen hatte dazu die „Cockroach Janta Party“ (CJP), also die „Kakerlaken-Volkspartei“. Der Name geht auf die Aussage eines Richters zurück, der junge arbeitslose Inder mit dem Ungeziefer verglichen hatte. Zunächst entstand daraus eine rasant wachsende Online-Satire-Bewegung. Mittlerweile ist der Protest auf die Straßen Indiens übergeschwappt – und zunehmend eskaliert.

Tumulte in Neu-Delhi

Nachdem sich am Montag Zehntausende einem friedlichen Protestmarsch zum Parlament angeschlossen hatten, kam es zu massiven Zusammenstößen mit der Polizei. Die Beamten gingen mit Tränengas und Stöcken auf Demonstranten los. Die Menge wurde eingekesselt, das Internet gekappt. Mehrere Oppositionspolitiker wurden kurzzeitig festgenommen. Beide Seiten meldeten Verletzte, eine Demonstrantin schwebte in Lebensgefahr. Human Rights Watch sprach von „übermäßiger Gewaltanwendung“.

Der Marsch wurde daraufhin zwar abgesagt. Doch auch in den Tagen danach versammelten sich Tausende Demonstranten – trotz starker Regenfälle und glühender Hitze – bei Jantar Mantar. Unterstützung (Lebensmittel, Wasser) bekommen sie aus aller Welt: „Von Kerala bis in die USA – die Bestellungen kommen von überall her“, schilderte ein Lieferant der Nachrichtenagentur Reuters.

Worum geht es?

Auslöser des Unmuts waren mehrere Skandale im Bildungssystem – vor allem um die zentrale Aufnahmeprüfung für Medizinstudiengänge (NEET). Mehr als zwei Mio. Bewerber mussten die Prüfung heuer zweimal ablegen, nachdem massiven Unregelmäßigkeiten bekannt geworden waren.

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Das ist kein Einzelfall. Die von der Regierung des hindu-nationalistischen Premiers Narendra Modi zentralisierten Prüfungssysteme des Landes werden immer wieder als ineffizient und unfair kritisiert. Immer wieder sickern etwa Prüfungsfragen durch. Zusätzlichen Unmut lösten zuletzt Fehler bei der Online-Bewertung der Prüfungen von fast zwei Millionen Schülern aus.

Für Millionen junge Inder, denen eigentlich sozialer Aufstieg durch Bildung versprochen wurde, ist das dramatisch: Viele bereiten sich jahrelang auf Prüfungen für die umkämpften Studienplätze vor, Familien verschulden sich für teure Vorbereitungskurse. 

Nicht alle können dem enormen Leistungsdruck standhalten: 2024 verzeichnete Indien fast 14.000 Suizidfälle unter Schülern und Studierenden. Nach dem abgesagten NEET-Test nahm sich mehr als ein Dutzend Studierende das Leben. Die Kakerlaken-Bewegung fordert für ihre Hinterbliebenen jeweils eine Zahlung von 10 Mio Rupien, etwas mehr als 90.000 Euro. 

Frust der Jungen

Insgesamt ist der Frust von Indiens Jugend -Schätzungen zufolge sind mehr als die Hälfte der 1,42 Mrd. Einwohner des Landes unter 30 Jahre alt – groß: Für gut Ausgebildete gibt es wenige passende Jobs, die Arbeitslosigkeit bei jungen Akademikern unter 25 lag 2026 bei fast 40 Prozent, die Löhne und Gehälter hinken den gestiegenen Lebenshaltungskosten hinterher. Viele müssen trotz Studiums als Lieferanten arbeiten.

Der BJP-Regierung, die seit zwölf Jahren an der Macht ist, scheint das zunehmend über den Kopf zu wachsen. Nachdem Modi bis zuletzt – und auch am Montag in seiner Ansprache zur Eröffnung der Sitzungsperiode des Parlaments – die Proteste einfach ignoriert hat, hat er sich am Donnerstag erstmals öffentlich dazu geäußert. Er habe angewiesen, eine „Reihe von Maßnahmen zum Schutz der Interessen der Studenten“ zu ergreifen. So sollen etwa Schnellgerichte eine „rasche und strenge Bestrafung“ der Verantwortlichen für die …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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