
Fanny und Tom sind seit 20 Jahren glücklich verheiratet – bis ein Geheimnis ans Licht kommt: Fanny hatte noch nie einen Orgasmus und vermisst sexuelle Leidenschaft. Womit das Weltbild des perfektionistischen Ingenieurs Tom ins Wanken gerät. Um die Ehe zu retten, begibt sich das Paar auf eine so komische wie chaotische Suche nach der Lust.
Die Darstellung eines Paares in den Fünfzigern, das die Routine hinter sich lässt, hat etwas Zärtliches und fast schon Altmodisches. Regisseurin Reem Kherici erzählt im Kern eine Liebesgeschichte, bei der die expliziten Szenen nur illustrierendes Beiwerk sind. Das bewahrt die französische Produktion davor, in eine obszöne Klamotte abzurutschen, bleibt aber in einer sehr vorhersehbaren Komfortzone – mit Gags rund um Sexspielzeug-Prototypen, familiäre Missverständnisse und peinliche Gespräche.
Tabus fallen
Ihren Reiz entwickelt die Komödie dort, wo sie Tabus angeht, wie das Schweigen über weibliche Lust und das Vortäuschen von Orgasmen zum Schutz des männlichen Egos. Ohne zum Lehrfilm zu verkommen, verwebt sie subtile Reflexionen über Sexualität im fortgeschrittenen Alter. Eine Szene, die verdeutlicht, dass die Klitoris lange Zeit in anatomischen Darstellungen fehlte, ist einprägsamer als so mancher Gag. Hier spürt man das Potenzial des Themas, das der Film bisweilen dem Komödienstil opfert.
INFO: Frankreich 2026. Von Reem Kherici. Mit Alexandra Lamy, François Cluzet.
G. Flossmann
Source:: Kurier.at – Kultur



