„Hat in der Politik nichts verloren“: Edtstadler fordert Rucks Rücktritt

Politik

Walter Ruck sitzt nach wie vor fest im Sessel, an einen Rücktritt denkt der Wiener Wirtschaftskammerpräsident nach dem Auftauchen belastender Gesprächsprotokolle nicht. Er scheint die Angelegenheit auszusitzen und schweigt nach wie vor. Rückendeckung bekommt er aus dem ÖVP-Wirtschaftsbund. Dessen Schweigen nach einer Sitzung gestern Nachmittag war kaum zu überhören: Aus der Sitzung drang nichts nach außen, es gab keinen Kommentar. 

Lauter und zahlreicher hingegen werden die Stimmen, die den Rücktritt von Ruck fordern – auch aus der eigenen Partei. Nachdem Bundeskanzler Christian Stocker und Bundes-Wirtschaftskammerchefin Martha Schultz Ruck bereits den Rücktritt nahegelegt haben, schließt sich heute Salzburgs Landeshauptfrau Caroline Edtstadler an. Kritische Worte fand auch Vorarlbergs ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner. 

Edtstadler für Rucks Rücktritt  

Salzburgs Landeshauptfrau sprach sich im Ö1-Mittagsjournal dafür aus, dass Ruck Konsequenzen ziehen möge. „Wenn das stimmt, was kolportiert wird an Meldungen, dann sage ich ganz klar, das hat im 21. Jahrhundert in einer Politik in Österreich nichts verloren. Und da sind auch die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Aus meiner Sicht, das müsste eigentlich jedem klar sein.“ Auf Nachfrage des ORF, ob mit Konsequenzen ein Rücktritt gemeint sei, antwortete Edtstadler: „Ja.“

Wallner: „Hilft natürlich überhaupt nicht“

Die Angelegenheit helfe der ÖVP „überhaupt nicht“ urteilt Vorarlbergs ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner in mehreren Interviews. Alles miteinander wirke „sehr chaotisch“, es ergebe sich „kein gutes Bild“. Auf die Frage, ob Ruck noch tragbar sei, äußert sich Wallner zurückhaltend: „Das wäre ein intensiver Zuruf aus dem Westen in den Osten. Den würde ich mir nicht erlauben.“  

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„Ich sehe es nicht als meine Aufgabe, ihn aus Vorarlberg zum Rücktritt aufzufordern“, sagte Wallner zu Vorarlberger Nachrichten, Kleine Zeitung, Oberösterreichische Nachrichten und Salzburger Nachrichten. „In so einer Situation muss jeder selbst wissen, was zu tun ist.“ 

Erst am Mittwoch meinten Politikwissenschafter, dass in der Causa neben Ruck auch jene Player beschädigt würden, die nach dessen – zumindest bisher nicht erfolgten – Rücktritt rufen. Dazu zählen unter vielen anderen ÖVP-Chef und Bundeskanzler Christian Stocker genauso wie die Chefin der Bundes-Wirtschaftskammer Martha Schultz, die auch die österreichweite Chefin des gewichtigen ÖVP-Flügels Wirtschaftsbund ist.

„Irritierende Deckung“ aus der SPÖ

Der Kammer- und Wirtschaftsbundspitzenfunktionär Ruck soll in kleinem Kreis unter anderem über seinen angeblichen Einfluss bei ÖVP-Listenerstellungen erzählt und sich über Parteifreunde und Industrie-Vertreter mokiert haben. Angeblich gibt es auch unvorteilhafte Aussagen über Frauen. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat ihm zuletzt als einziger Spitzenpolitiker – etwa im Gegensatz zu ÖVP-Landeshauptleuten – offen die Mauer gemacht, die beiden gelten als gut vernetzt.

„Diese Deckung aus der SPÖ ist sehr irritierend“, höre man dazu mitunter in der ÖVP, schreiben die „Salzburger Nachrichten“. Dem Bericht zufolge soll es auch erste Austritte aus dem Wirtschaftsbund geben, weil der Unmut über Ruck und sein Amtsverständnis bei vielen Mitgliedern größer und größer werde. Dem Vernehmen nach gibt es auch eine kleine Gruppe (früherer) Wiener Wirtschaftsbundfunktionäre und -funktionärinnen, die eine Nachfolge für Ruck organisieren wollen.

Die SPÖ-Frauenchefin und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner sieht die Sache beispielsweise auch diametral anders als Ludwig. „Das Konzept von ‚exklusiven Herrenrunden‘ zeugt von einem verstaubten Politikverständnis, das im Jahr 2026 nichts mehr zu suchen hat“, kritisierte Holzleitner in einem Statement …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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