Expertenwarnung: Krebstherapie scheitert an Personalmangel

Politik

Der Welt geht bei ständig steigenden Krebs-Erkrankungszahlen das Personal für Früherkennung, Behandlung und Nachsorge der vielen Millionen Betroffenen aus. Bis zum Jahr 2050 könnte die Lücke an Fachpersonal rund hundert Millionen Beschäftigte weltweit betragen. Das hat eine internationale Studie ergeben, die vor kurzem beim amerikanischen Krebskongress (ASCO) in Chicago vorgestellt worden ist.

Hedvig Hricak von der Abteilung für Radiologie am in Fachkreisen weltbekannten Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York und ihre Co-Autoren haben ihren Bericht in „Lancet Oncology“ zeitgleich zu dem Kongress in den USA veröffentlicht. Die Ergebnisse der Untersuchung klingen mehr als beunruhigend: „Der weltweite Mangel an Fachkräften im Bereich der Krebsbehandlung wird im Jahr 2050 voraussichtlich rund hundert Millionen betragen, wobei der größte Mangel bei Pflegekräften (65 Millionen) und Spezialisten für Diagnostik (Radiologie und Pathologie; 16 Millionen) besteht, insbesondere in Afrika und Asien.“

Auch Österreich hat mit steigenden Krebs-Erkrankungszahlen und vermehrten Todesfällen zu rechnen, wie aus der aktuellen „Prognose der Krebsinzidenz, Krebsprävalenz und Krebsmortalität bis 2045“ des Gesundheitsministeriums hervorgeht. Dort heißt es unter anderem: „Etwa 46.500 Menschen erhalten in Österreich jährlich die Diagnose Krebs. (…) Der vorliegende Bericht stellt die Krebsinzidenz (jährliche Neudiagnosen pro 100.000 Personen; Anm.), -mortalität und -prävalenz (Menschen mit Krebs; Anm.) der 15 wichtigsten Krebsentitäten (Krebsformen; Anm.) bis zum Jahr 2045 dar. Demnach wird die Zahl der Krebsneuerkrankungen bis 2045 im Vergleich zum Jahr 2023 um 21,6 Prozent steigen. Auch die Zahl der Krebssterbefälle wird um 20,9 Prozent zunehmen, während die Krebsprävalenz voraussichtlich um 53,8 Prozent steigen wird.“

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Umgekehrt könnte ein umfassender Ausbau des Personalumfangs für spezialisierte Krebsdiagnose, Therapie und Nachsorge aller beteiligten Berufsgruppen 170 Millionen Krebstodesfälle verhindern und zwischen 2030 und 2050 einen Nettonutzen von 120 Billionen US-Dollar generieren, was einer globalen Rendite von vier US-Dollar pro investiertem US-Dollar entspreche, stellten die Fachleute fest.

Stille Pandemie

Dabei wird der Ausbau der auf bösartige Erkrankungen spezialisierten Ressourcen immer wichtiger. „Krebs gilt als stille Pandemie: Bis 2050 werden weltweit jährlich 35,3 Millionen Fälle und 18,5 Millionen Todesfälle prognostiziert. Rund 70 Prozent dieser neu diagnostizierten Krebsfälle treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) auf. In Ländern mit hohem Einkommen (HICs) hat sich die Überlebensrate bei Krebs in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert, vor allem dank Fortschritten in der Früherkennung und der Entwicklung neuer Therapien“, so die Wissenschafter.

Unter der Annahme konstanter linearer Wachstumsraten der Arzt-, Pflege- und Hebammendichte (das heißt im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße) in jedem Land hat beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits für das Jahr 2030 einen Mangel von 18 Millionen Gesundheitsfachkräften bis 2030 prognostiziert. Staaten mit niedrigem bzw. mittlerem Bruttosozialprodukt werden davon rund zwei Drittel ausmachen. International am stärksten steigen laut den Fachleuten die Neuerkrankungszahlen bei HNO-Karzinomen und bei weiterhin schwer behandelbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Enormer Bedarf an Versorgungskapazitäten

Der enorme Bedarf an Versorgungskapazitäten von Screening und Frühdiagnose bis hin zur Nachsorge kann sich nur noch vergrößern. Immerhin werden auch im Jahr 2050 die Fünf-Jahres-Überlebensraten in Afrika erst bei 34,4 Prozent liegen. In Asien werden nicht mehr als 38,7 Prozent der Krebspatienten länger als fünf Jahre überleben, in Lateinamerika 55,1 Prozent und in Europa 62,2 Prozent. In Nordamerika hingegen wird ein …read more

Source:: Kurier.at – Politik

      

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