
Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) hat seine Handy-Nummer in ganz Oberösterreich plakatiert.
KURIER: Herr Kaineder, Sie haben eine Kampagne gestartet, bei der Sie Ihre private Telefonnummer publiziert, ja sogar plakatiert haben. Mit dem Angebot, dass alle, die wollen, anrufen können. Geht das nicht ein bisschen zu weit?
Stefan Kaineder: Ich muss ganz ehrlich gestehen, als ich den Vorschlag bekommen habe, das so zu machen, habe ich schon ein paar Tage überlegen müssen. Mein Gedanke dahinter war dann: Politiker geben ihre Handynummer andauernd weiter. Meist passiert das aber nur in den Vorstandsetagen und eigenen Seilschaften. Die Nummer von Gust Wöginger haben alle, die wichtig genug sind. Unsere Idee ist es, dass wir in einer Zeit, in der viele Leute von der Parteipolitik frustriert sind, den Leuten das Gefühl geben, dass wir nicht nur für unsere eigenen Seilschaften arbeiten. Das ist momentan sehr anstrengend, ich telefoniere jeden Tag einige Stunden, aber die Gespräche sind für mich spannend und für die Leute ermutigend.
Aber gibt es nicht einen Bereich, wo selbst der Politiker sagt, jetzt ist es privat. Was sagt Ihre Familie dazu, wenn am Wochenende andauernd das Handy läutet?
Wenn wir Familienzeit haben, ist das Handy auf lautlos geschaltet, und ich rufe dann zurück. Manchmal erst am nächsten Tag, wenn es zum Beispiel Sonntag ist. Es gibt ein Privatleben, das ist eine ganz wichtige Balance. Ich bin Vater von drei Kindern, und ich habe mich mein Leben lang bemüht, ein Vater zu sein, den seine Kinder auch zu Gesicht bekommen. Ich war bei allen drei Kindern in Karenz. Und ich will ein Ehepartner sein, auf den man sich verlassen kann.
Welche Anrufe überwiegen, die beleidigenden oder die konstruktiven? Aus den Sozialen Medien weiß man ja, was da alles unter der Gürtellinie von sich gegeben wird.
Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was ich schreibe, und dem direkten Wort. Die Menschen, die mich anrufen, haben oft ganz andere Meinungen als ich selber. Das sind überhaupt keine Grünen, teilweise outen sie sich auch als FPÖ-Wähler. Aber sie wollen diskutieren, und das machen sie in ganz großer Zahl respektvoll.
Sie sind der Stellvertreter von Bundessprecherin Leonore Gewessler. Wie sehen Sie von Oberösterreich aus die aktuelle Rolle der Grünen, die im Parlament von der Regierungs- auf die Oppositionsbank gewechselt sind? Haben diese ihre neue Position schon gefunden?
Inhaltlich sind wir der Bevölkerung sehr gut bekannt. Vor allem in Oberösterreich wissen die Menschen ganz genau, wofür wir Grüne stehen. Am Ende muss es uns gelingen, die positive Zukunftskraft für Österreich und vor allem für die Landtagswahl in Oberösterreich im kommenden Jahr zu werden. In Wahrheit sind die Leute von den großen Funktionärsparteien ÖVP und SPÖ enttäuscht. Wenn dann nur noch die FPÖ bleibt, die diese frustrierte Stimmung im Land einsammeln kann, dann wird es schnell finster in Oberösterreich. Das will ich nicht. Da müssen sich die Grünen öffnen und näher an die Menschen ran.
Unter den ÖVP-Funktionären gibt es etliche, die sagen, dass der Partei die Koalition mit den Grünen auf Bundesebene mehr geschadet als genützt hat. Wie sieht man bei den Grünen diese Regierungszeit?
Ein kurzes Wort …read more
Source:: Kurier.at – Politik



